„AgNes“ – Neue Netzentgeltsystematik ändert den Blick auf den Netzkunden

Brauchen die Netzbetreiber bald ein Customer-Relation-Ship-Management (CRM) und gehen mit dem Netzkunden auf die Customer Journey?

Endkunden des Netzbetreibers (Anschlussnutzer, Anschlussnehmer, Prosumer, Einspeiser, Messstellennutzer) werden heute über separate Kommunikationskanäle angesprochen. Es gibt keine übergreifende Sicht auf den Geschäftspartner (Endkunden) in seinen verschiedenen Rollen:
Diese Situation liegt heute bereits vor und es gibt Handlungsbedarf:
„Dubletten“ in den Geschäftspartnerdaten gibt es in großer Zahl.
Ein Management der Kundenbeziehung erfolgt nur rudimentär und immer auf eine Rolle beschränkt.
Dateninkonsistenzen bei der Schreibweise von Namen, bei Bankdaten und Adressinformationen (abweichende Rechnungsempfänger) haben ein hohes Niveau erreicht.
Ein Management der Kundenbeziehung (im klassischen CRM-Verständnis) und auch nur ein Vertragsmanagement über alle Rollen ist faktisch nicht möglich.
Dies gilt insbesondere für den Niederspannungsbereich/Niederdruckbereich und Privat- und Gewerbekunden.
Im Bereich der Industriekunden, Filialisten und großen Gewerbeunternehmen erfolgt ein CRM bei den VNB, allerdings häufig mit den Bordmitteln EXCEL und „manuell“.
Zukünftige Entwicklungen:
Die Endkunden in allen Segmenten aber insbesondere im Bereich Privat- und Gewerbekunden besetzen heute bereits alle möglichen der oben aufgeführten Rollen in unterschiedlicher Ausprägung und in wechselnden Zeiträumen.
Mit dem Roll-Out von iMS intelligenten Messsystemen öffnen sich „technisch“ weitere Rollen den Privat- und Gewerbekunden in der Anschlussnutzung, in der Einspeisung und insbesondere als Prosumer.
AgNes als Treiber dieser Entwicklung:
Es ist sehr sicher, dass AgNes zu einer Änderung der Netznutzungsabrechnung führen wird. Die bisherige Logik mit festem Grundpreis und festen Arbeitspreisen mit jährlicher Änderung wird sich 2028 zu einer Logik mit Kapazitätsentgelt und dynamischen Tarifen entwickeln.
Dynamischer Tarif bedeutet hier, dass sich der „Arbeitspreis“ pro (maximal) 1/4h eines Tages anpassen kann. Dies erfordert eine komplexe Verbindung von Prozessen beim VNB zur Ermittlung und Kommunikation dieser Preiszeitreihen und ist direktes Ergebnis des Engpassmanagements und der Steuerung im Niederspannungsnetz.
Die klassische Netznutzungsrechnung verändert sich grundsätzlich, wird „erklärungsbedürftig“ und muss um Nachweise ergänzt werden, damit diese vom Rechnungsempfänger geprüft und freigegeben werden kann.
Einfluss der HANA4Utilities-Projekte:
VNB, die heute mit SAP IS-U arbeiten, haben oder werden in den nächsten Monaten „Migrationsprojekte“ initiieren, um auf SAP-HANA4Utilities zu wechseln. Diese Projekte benötigen viel Zeit. Die ersten Netzbetreiber werden voraussichtlich und frühesten im Laufe des Jahres 2026 auf HANA4Utilities migrieren. Anfang 2027 ist der Stichtag für eine größere Zahl von Netzbetreibern. Die Mehrheit avisiert (nach meinen Informationen) Anfang 2028 als Migrationsdatum.
Hier kommt es zu einer Überschneidung mit der Umsetzung der neuen Netzentgeltstruktur aus AgNes, da diese ebenfalls vermutlich Anfang 2028 umzusetzen sind. Damit dies möglich ist, müssen die Anforderungen aus AgNes in den laufenden Migrationsprojekten HANA4Utilities berücksichiutigt und einbezogen werden.
Kommunale Wärmeplanung als Treiber eines netzseitigen CRM:
 
In den verschiedenen Stadtwerken und angegliederten Netzbetreibern ist die eigene Rolle bei der Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung sehr unterschiedlich. Dies schwankt zwischen Konkurrenz mit kommunalen Wärmegesellschaften über ein eigenes Wärmenetz (Fernwärme, Nahwärme) bis hin zum gesteuerten Rückbau des eigenen Gasnetzes konform zur Wärmeplanung (Beispiel MVV).
Das Stadtwerk ist aber immer mit der Sparte Strom „dabei“ und betroffen, kann und ggf. auch muss eine treibende Rolle einnehmen. Auch bei Nahwärmenetzen dritter Unternehmen ist das Stadtwerk immer im Bereich der Anschlüsse, der Projektentwicklung, der Baumaßnahmen „betroffen“. Und hier sehr intensiv der Netzbetreiber des Stadtwerks.
Diese komplexen und neuen CRM-Prozesse erfordern eine professionelle IT-Unterstützung durch ein spartenübergreifendes CRM-Modul beim Netzbetreiber.
 
Das Thema Organisation:
Ein CRM-Prozess erfordert immer eine Ausrichtung der Organisation auf die Kundenbeziehung. Die Vertriebe der Stadtwerke haben diesen Schritt schon vor Jahren vollzogen. Bei den VNB ist dies explizit nicht erfolgt: Die Betreuung der Einspeiser erfolgt in anderen Teams als der Netzanschlussprozess und auch die Netznutzung. Die Organisation bei VNB richtet sich häufig nach den Fachprozessen aus: Einspeisung, Abrechnung, Marktkommunikation, Netzanschluss, …
Um den CRM-Prozess neu auszurichten und zu stärken, ist neben einer IT-Komponente („CRM/-Modul/-System“) immer auch der Prozess in der Organisation klar zu verankern.
Ein zentraler Punkt ist auch das „Mind-Set“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim VNB, die bisher CRM nicht leben mussten.
Sicht der Anteilseigner/Kommunen:
Stadtwerke sind üblicherweise kommunal beherrschte Unternehmen. Die zugehörige Stadt sieht immer den Bürger und seine Integration in die Energiewende. Das Stadtwerk ist aufgefordert diesen Transformationsprozess zu unterstützen und in der Stadtgesellschaft voran zu treiben.
Die Kundenorientierung des Commodity-Vertriebs (kWh-fokussiert) rückt dabei immer stärker in den Hintergrund, weil die Energiewende vor Ort hauptsächlich Prozesse und Beziehungen des Bürgers zum Netzbetreiber erfordert.
Die kurze Antwort auf die eingangs gestellte Frage lautet: Ja!

„People Business“ – Es geht um die Menschen im Unternehmen

So platt diese Binsenweisheit klingt, so häufig nehme ich in diesem Bereich den Kern vieler Herausforderungen wahr.

In vielen Projekten und Maßnahmen geht es im Grundsatz immer um einen Veränderungsprozess im Unternehmen. Neben dem technischen Change, sei es ein IT-Einführungsprojekt, eine neue Portallösung oder auch ein Workforce-Management-System, geht es immer und unvermeidlich auch um einen organisatorischen Teil.

Der organisatorische Teil hat häufig den Fokus auf Prozessen. Prozessmanagement ist immer auch Organisationsmanagement: Es wird im Unternehmen neu ausgehandelt, welcher Fachbereich/welche Abteilung mit welchen Menschen verantwortlich für die verschiedenen Prozessketten ist.

Ich habe den Eindruck, dass es manchen Führungskräften unangenehm ist, wenn die Abteilung X einen Prozess nicht oder nicht vollständig übernehmen kann, weil dort die „Kompetenzen“ – sprich qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter –  fehlen.

Es ist aus meiner Sicht nicht nur völlig normal, sondern von zentraler Bedeutung, dass Prozessmanagement und jeden Veränderungsprozess anhand der vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen weiter zu entwickeln.

Dies gilt auch für das Business Process Outsourcing (BPO). Es wird in einigen Veränderungsprozessen diskutiert, dass BPO eine Lösung für unzureichende eigene Kompetenzen und Ressourcen sein kann. Aber auch ein BPO-Dienstleister muss fachlich gesteuert werden, so dass BPO zwar den Ressourcenbedarf extern decken kann, die Prozesskompetenz sollte man – zumindest rudimentär – im eignen Unternehmen bewahren.

 

 

Cyberschmerz vermeiden: Cyberresilienz als Element der „Digitalen Daseinsvorsorge“

Zukünftig wird die IT-Sicherheit und Cyberresilienz im Energienetz, im Messwesen und in der Anlagensteuerung nicht nur als Kostenfaktor und „lästige“ Pflicht wahrgenommen werden, sondern wird ein zentrales Qualitätskriterium und Teil der „digitalen Daseinsvorsorge“ in einer Kommune.

Cyberresilienz ist ein elementarer Baustein bzw. eine Eigenschaft der Produkte eines Stadtwerks: Unsere Kunden erwarten „cyberresiliente“ Produkte zur Energielieferung, zum smarten Netzbetrieb, zum Datenmanagement, im Messwesen, zu den smarten Energiedientsleistungen.

„Unzureichende“ Cyberresilienz lässt sich nicht vermeiden, sondern ist mit jedem erfolgreichen Cyberangriff nachgewiesen.

Unsere Kunden und Stakeholder wissen, dass 100% Cyberresilienz nicht möglich ist. Sie erwarten aber einen transparenten Umgang und eine aktive Kommunikation im Falle eines erfolgreichen Cyberangriffs.

Stadtwerkeleistungen, die „secure by design“ sind, bieten also einen Mehrwert für Kunden und Endverbraucher. Die „Trennung“ zwischen Operational Technology und Information Technology verschwimmt dabei immer mehr. Die Abkürzung IoT Internet Of Things beschreibt dies gut.

Wir müssen immer auf dem aktuellen Stand der Technik der IT-Security sein, vielleicht sogar im oberen Mittelfeld mit vergleichbaren Unternehmen.

Es darf aber nicht das Ziel sein, immer auf den ersten Plätzen zu stehen, wenn es rein um die eingesetzte Technik (Hard-/Software, OT/IT) geht.

Nachhaltige Cyberresilienz schafft man im Unternehmen nur, wenn technische, organisatorische und sozio-kulturelle Maßnahmen ineinandergreifen bzw. interagieren.

Oder:

Die beste technische Maßnahme, der KI-unterstützte Perimeterschutz zur Angriffserkennung oder die neueste Zugangsüberwachung bringt wenig, wenn die Menschen im Unternehmen nicht eingebunden sind.

Die „Digitale Daseinsvorsorge“ bietet erhebliche Chancen für Stadtwerke!

UPDATE 20.03.2025

Mit 100 Mrd. EURO hat es das Thema Cyber-Resilienz in das Sondervermögen der neuen Bundesregierung geschafft: Diese Mittel dürften für Bundes- und Landesbehörden, Ministerien und andere Organe der Volksvertretung auf allen Ebenen einzusetzen sein.

Hierdurch wird der Druck auf Stadtwerke, die immer einen starken Bezug zur Kommune und Stadt haben, deutlich erhöht auch vor der NIS-2-Gesetzgebung das Thema Cyber-Resilienz und IT-Security schneller voranzubringen.
Hierzu bitte auch MOIT anschauen:
https://moit.consulting/de/

ZfK: IT am Rande der Belastungsgrenze

Die IT an der Belastungsgrenze… schreibt die ZfK Zeitung für Kommunalwirtschaft in Ihrem Morning Briefing heute.

Bundes- und Landesminister, die sich wegen der Belastungen aus der Energiepreisbremse (und der Dezemberhilfe usw.) an den Stadtwerke-Kundenservice und die Stadtwerke-IT wenden…

Stadtwerke, die ihren Kundenservice ganz schließen oder nur noch mit Wachleuten weiterführen…

Schwierige Zeiten…

„Die IT“ gibt es so natürlich nicht, ebenso wenig wie „den Kundenservice“. Es sind immer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dahinter stehen und ihren Job machen wollen und müssen. Das klingt pathetisch und vielleicht auch zu eindimensional, trifft aber den Kern der Sache.

Die Energiewende beschäftigt die deutsche Energiewirtschaft spätestens seit dem Jahr 2000 (Veröffentlichung der Verbändevereinbarungen VV2 und VV2+, wer erinnert sich noch?).

Zunächst stand der Wettbewerb um die Energielieferung im Vordergrund, später (ab 2009) auch um den Messstellenbetrieb. Mit dem 1. EEG kam der Umbau der Stromwirtschaft hin zu erneuerbaren Energien hinzu, der Gasbereich wurde zeitverzögert angegangen, der Umbau des Wärmesektors hat erst in den letzten Jahren richtig begonnen.

All dies hat die Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (einschließlich der Führungskräfte) und die erforderlichen Kompetenzen sukzessive verändert. Die Arbeitswelt in der Energiewirtschaft verändert sich weiter.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen, sie zu fördern und zum Teil auch zu schützen, ist zu einer Kernaufgabe der Unternehmen geworden.

Überforderungen, überlaufende „Überstundenkonten“ und steigende Krankenstände sind Anzeichen für die Schwierigkeiten auf diesem Weg.

Die neuen und auch in der Wirkung nach innen ins Unternehmen motivierenden Themen aus neuen Geschäftsfeldern, Innovationen und Digitalisierung können dabei auf der Strecke bleiben.

Gerade diese Themen stärken aber die Unternehmenskultur und die Identifikation mit dem Unternehmen, weil sie Sinn stiften und Orientierung geben.

If on a winter’s night

Die dunkle Jahreszeit ist für mich immer wieder ein Anlass passende „Playlisten“ zusammen zu stellen und natürlich anzuhören.

Ein Tipp von mir, der vielleicht auch anderen gefällt, ist dieses Album von Sting aus dem Jahre 2009: Sting: If on a winter’s night

Sting zeigt hier einerseits, dass er seinem musikalischen Kern treu bleibt, dies aber in ganz unterschiedlichen Musikstücken anderer Komponisten auch unterbringen kann. Und dadurch sehr schöne „neue“ Musik entsteht.

Der Vergleich passt nicht  und soll mich oder die Unternehmensberater auch nicht auf eine Stufe mit einem Künstler wie Sting stellen:

Aber auch wir Unternehmensberater müssen einerseits unserem Kern (unseren Erfahrungen, Methoden und Kompetenzen aber auch dem eigenen Stil) treu bleiben, andererseits immer wieder in ganz unterschiedlichen Bereichen und Unternehmen, zusammen mit unterschiedlichen Menschen einen Nutzen für den Auftraggeber schaffen.

So hörte ich auf einer großen Branchenmesse, dass ich ja nun immer mehr „mit IT“ machen würde. Da musste ich etwas schmunzeln. IT ist zwar eigentlich immer in meinen Projekten und Einsätzen mit dabei (auch „Digitalisierung“). Es sind aber im Kern doch immer wieder die klassischen „analogen“ Themen in der Unternehmensberatung, auf die es ankommt.

In diesem Jahr fällt uns allen die Weihnachtsbeleuchtung etwas schwer, da wir zwischen Energiesparen auch aus Solidarität und der gewünschten Adventsstimmung durch Licht im Dunkel schwanken. Deswegen finden Sie oben dieses ein paar Jahre alte Foto aus der Dominikanischen Republik: Sehr bunt, sehr viel Licht.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie eine besinnliche Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr 2023.

 

 

Transformation in höchster Geschwindigkeit

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine weitet sich immer weiter aus. Ein Ende oder gar ein Frieden sind nicht in Sicht.

Die deutsche und auch europäische Energiewirtschaft gehen in eine Transformation, die es in dieser Geschwindigkeit und Grundsätzlichkeit vermutlich noch nie gegeben hat.

Der freie Markt des Energiehandels mit den regulierten natürlichen Monopolen der Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber tritt zunehmend an die zweite Stelle.

Die Daseinsvorsorge und die Versorgungssicherheit der Gesellschaft treten in den Vordergrund. Staatliche Eingriffe in den Markt bis zu Enteignungen finden statt (und müssen stattfinden), die früher in Deutschland und Europa undenkbar gewesen wären. Alte Gesetze aus der Erdölkrise der 70er Jahre und aktuelle Verordnungen werden im Schnellverfahren angepasst und in Kraft gesetzt.

Viele Stadtwerke nehmen die stärkere Bedeutung der Daseinsvorsorge dabei gerne an, da diese schon immer in der eigenen „Unternehmens-DNA“ fest verankert war.

Der Preiswettbewerb mit der Konkurrenz aus dem Bereich Discount bei Strom- und Gaslieferungen findet faktisch nicht mehr statt, wozu natürlich auch der vor dem Krieg bereits einsetzende Preisanstieg bei Strom und Gas beigetragen hat.

Kommunen, Regionen und ganze Bundesländer werben bereits damit, dass die sehr gut ausgebaute Energieversorgung auf regenerativer Basis der entscheidende Standortvorteil ist.

Und die Industrie folgt, wie man am Beispiel der Heide Raffinerie sieht. Die Stadtwerke schaffen die Basis für diesen Standortvorteil.

Der Krieg hat viele fest etablierte Positionen und Denkmuster in kürzester Zeit in Deutschland (und Europa) verändert oder gar aufgehoben.

Die öffentlichen Argumentationen einiger Unternehmenslenkernehmer und Wirtschaftsforschungsinstitute nehme ich nur noch als Rückzugsstrategie im Angesicht einer unvermeidlichen Entwicklung wahr. Hier positionieren sich die Stadtwerke und Verbände der Energiewirtschaft auch deutlich anders.

Für den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit aber auch die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist diese Transformation langfristig aber eine positive Entwicklung, auch wenn der Auslöser – dieser schreckliche Krieg – weiter den Menschen unermessliches Leid bringt.

 

Kommen wir in der Energiewende ohne eine Brückentechnologie weiter?

Mit dem Krieg in der Ukraine und dem Wegfall Russlands als verlässlicher Energielieferant hat Erdgas in Deutschland und Europa jedes Potenzial als sogenannte „Brückentechnologie“ in der Energiewende verloren.

Auf den ersten Blick scheint sich eine moderate Verlängerung der Stromerzeugung aus Atomkraft für den Übergang in der Energiewende anzubieten, nur ist dies auch aus technischen Gründen eine reine Phantomdebatte.

Kommen wir in der Energiewende ohne eine Brückentechnologie weiter?

Ja, ganz bestimmt. Wir müssen nur schneller werden.

Somit muss es jetzt noch dringender heißen:
Die Energiewende „schneller, höher, stärker – gemeinsam“  angehen (Motto der Olympischen Spiele)… und dabei Versorgungssicherheit bei „bezahlbarer“ Energie gewährleisten.

Die Kunden (und Bürger) sind dafür offen.

Für die Unternehmen der Energiewirtschaft ist außerdem jede Brückentechnologie nur „Vergangenheitsbewältigung“ und kein zukunftsorientiertes Geschäftsmodell.

 

Aufbruchstimmung in der Branche

Nach dem Regierungswechsel ist eine gewisse Aufbruchstimmung in der Energiwirtschaft aufgekommen: Während viele Unternehmen in 2020 und 2021 bzgl. neuer Produkte und Angebote rund um den Klimaschutz und das 1,5-Grad-Ziel an Haushalts- und Gewerbekunden zunehmend zurückhaltender wurden, scheint sich nach meinem Eindruck diese Sicht nun zu ändern.

Auf Veranstaltungen wie dem #S!D2022 Stadtwerke Impact Day hat sich nicht nur der Titel von „Innovation“ auf „Impact“ geändert, sondern auch der rote Faden in den Vorträgen und Gesprächen:

Es geht nun nicht mehr um Pilotprojekte, Innovationsthemen und neue Produkte, sondern darum die (auch durchaus kleinteilige) Umsetzung in den Regionen und Kommunen, sektorübergreifend und „bürgernah“ anzugehen.

„Wie macht Ihr das in Stuttgart? Was können wir davon nach Cottbus mitnehmen? Wie läuft es in Dresden? Wie könnte das in Hannover funktionieren?“

Auch die Kunden der Stadtwerke und Energieversorger entwickeln immer mehr Offenheit und Interesse und sind auch schrittweise bereit für klimaschutzbezogene Angebote mehr Geld zu bezahlen.

Jetzt gilt es den Schwung in der Gesellschaft mitzunehmen, zu verstärken und die Umsetzung neuer Produkte und Angebote zu forcieren. Frei nach dem Motto von Sprungwerk #wirerledigendas.

Dabei geht es meistens nicht um komplexe IT-Entwicklung, aufwändige Innovationsprozesse und „Forschung“, sondern vielmehr um den Einsatz bewährter Werkzeuge und Prozesse in den Fachbereichen.

Das Stromnetz und der Kunde…

Das Stromnetz und der Kunde…
ein noch schwieriges Verhältnis, aber mit großem Potenzial.

Viele Verteilnetzbetreiber bauen zunehmend Kontaktkanäle in Richtung Endkunden (Privatkunden/ Haushalte) auf und setzen dafür digitale Serviceplattformen ein. Einige (größere) Netzbetreiber bauen auch klassische Service-Center-Funktionen auf und bieten somit eine professionelle (auch telefonische) Erreichbarkeit.

Für beide Seiten (Kunde und Netzbetreiber) ist das noch recht neu, trotzdem aber eine wichtige und notwendige Entwicklung.

Außerdem bedeutet es für die Mitarbeiter:innen bei den Netzbetreibern, Messstellenbetreibern und zuarbeitenden Shared-Services-Gesellschaften einen deutlichen Veränderungsprozess.

Hierbei besteht die Gefahr, dass die interne Prozess- und System-Komplexität zum Kunden (nach außen) „geklappt“ wird. Das ist fast immer der falsche Weg und trägt das potenzielle Scheitern bereits in sich. Hier seien Formulare im Anschlusswesen beispielhaft aufgeführt.

Den Kundenkontakt wie in anderen Branchen üblich zu organisieren, stellt die Netzbetreiber somit vor erhebliche Herausforderungen:
Die Menschen müssen mitgenommen werden und die Tätigkeit im Service auch entsprechend wertgeschätzt werden.

Auf Seiten der IT-Services gibt es etablierte und bewährte Lösungen (Omnichannel-Kontaktcenter, Workforcemanagement-Tools, Customer-Self-Service und Automatisierungen in Richtung der Back-End-Systeme), die aber natürlich in die Unternehmenswelt einzufügen sind.

Die Chancen sind erheblich, dies darf nur nicht als IT-Einführungsprojekt missverstanden werden, weil es letztendlich ein unternehmensübergreifender Veränderungsprozess ist, der die Netzbetreiber in Richtung eines kundenzentrierten Unternehmens wandelt.