0606"Privacy as a Service"


Der Roll-Out intelligenter Messsysteme (iMS) wird nun bald starten. Welchen Nutzen hat der Kunde davon?
Mit dem Roll-Out intelligenter Messsysteme (iMS gemäß Messstellenbetriebsgesetz) bekommt und bezahlt der Anschlussnutzer bzw. Kunde ein Stück "high-tech"-IT mit einem sehr hohen Sicherheits- und Schutzniveau.
Bis auf weiteres wird damit nur der Stromverbrauch gemessen.
Der Kunde erkennt heute für sich keinen Nutzen oder Mehrwert aus dem Einbau enes iMS.

Trotzdem kann er sich dagegen nicht wehren.
Auch die Branche sucht noch nach Geschäftsmodellen, die mit iMS funktionieren.
Vielleicht ändert sich diese Situation, wenn der Kunde den Wert eines sicheren und geschützten Kommunikationsgateways zu Hause zu schätzen lernt.

Apple scheint nun "Privacy-as-a-Service" als Verkaufsargument für sich zu entdecken, um die iPhones von der ANDROID-Konkurrenz abzugrenzen.
Das Gateway des iMS tritt damit am ehesten in Konkurrenz zum DSL-/Breitband-Router, der sich grundsätzlich auch für "Privacy-as-a-Service" eignet bzw. bereits in ähnlicher Form eingesetzt wird.

Vielleicht entwickelt sich auch eine Koexistenz zwischen dem DSL-/Breitband-Router für den Bereich Internet/Streaming/Medien und dem Gateway eines iMS für besonders geschützte Kommunikation z.B. für Alarmanlagen, Gebäudesteuerung, Prosumer, Heizungssteuerung...


0804Profile im Netz...


Ich werde nur noch selten in diesem Blog schreiben.
Sie finden mich mit kurzen und aktuellen Beiträgen immer auf XING und LinkedIn.
















2211Erst eins, dann zwei, dann drei...


...dann steht die Markterklärung des BSI vor der Tür.
Seit Jahren begleitet uns nun die Umsetzung des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG).

Jetzt verdichten sich die Gerüchte und Informationen doch deutlich, dass es nun bald und endlich tatsächlich losgehen wird:
Das BSI und die weiteren involvierten Ämter und Behörden zieren sich zwar noch etwas. Manche Juristen sehen auch erst in 5 Jahren alle Anforderungen des MsbG tatsächlich efüllt.
Trotzdem scheint jetzt ein Start des Roll-Outs intelligenter Messsysteme im Frühjahr 2019 zu beginnen.
Es wird aber nun auch Zeit: Die eigentlichen energiepolitischen Ziele, die mit dem Roll-Out verbunden waren, haben sich zwischenzeitlich in einigen Bereichen verändert und die Kunden wissen immer noch nicht, wofür das intelligente Messsystem gut sein soll.
Aber das kann (und wird) sich dann ändern, wenn in größerer Zahl die Kunden mit der neuen Messtechnik ausgestattet sind.

Neue Bedarfe und Bedürfnisse werden geweckt, passende Produkte entwickelt und damit neue Märkte eröffnet. Wenn das Gateway einmal vor Ort hängt, lassen sich vermutlich viele Produkte auf dieser technologischen Basis aufsetzen.
Früher war z.B. ein DSL-Router etwas Neues in der Wohnung und hat tatsächlich "nur" den noch meist kabelgebundenen Internetzugang ermöglicht.
Schnell hat der Router aber neue Funktionen übernommen, wie WLAN-Netze, Home Automation, DECT-/ISDN-Telefonanlage, NAS-Speicher, Media-Server, Internet-Kindersicherung, Gast-Internetzugänge...
Teilweise gab es diese Funktionen nicht. Oder man hatte eigene Geräte dafür.
Vielleicht wird das Gateway eine ähnliche Rolle einnehmen können und viele weitere neue Funktionen den Kunden bieten können?


Das neue Jahr 2019 wird auch andere Veränderungen für die Energiewirtschaft bringen.
So wird das IT- und Prozessmanagement der Energiebranche noch stärker Entwicklungen aufnehmen, die sich in anderen Branchen bereits durchsetzen.
Industrie 4.0, Digitalisierung, Prozess-Outsourcing, KI und Robotic Process Automatisation seien stellvertretend genannt.
Der Umgang mit der demografischen Entwicklung und der Situation am Arbeitsmarkt werden weitere Impulse setzen. Employee Branding als Mittel im Bemühen um die besten Köpfe wird immer wichtiger.

"Nebenbei" entwickelt sich die Marktkommunikation in den Marktrollen VNB und gMSB immer weiter auseinander, was in 2019 zunehmenden Einfluss auf die IT-Architektur nehmen wird. So werden die WiM-Prozesse durch den Roll-Out von intelligenten Messsystemen aus ihrer Nische heraus kommen müssen und werden sich endgültig zu Massenprozessen "à la GPKE" entwickeln.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie eine schöne Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und dann einen guten Start in das Jahr 2019!

2009Modewort Digitalisierung?

Bild: ZfK
Digitalisierung ist das neue Modewort in der Energiewirtschaft.
Digitalisierung ist neu, aufregend, bewegend und gerne auch disruptiv, was immer letzteres genau heißen soll.

Im Moment gibt es Konferenzen, Verbandsinitiativen, Fachbücher, Vorträge… in enger Taktung zum Thema „Digitalisierung“. Manch einer ist davon schon etwas genervt. Auch bleibt der Begriff unklar und schwammig.

Aber nur weil viele Medien, Beratungshäuser, Trendforscher, Verbände, Forschungseinrichtungen usw. eine sehr aktive Kommunikation (und geschicktes Themenmarketing) zur Digitalisierung betreiben, ist das Thema selbst erst einmal nicht abzulehnen.
Es wäre - umgekehrt – fahrlässig, wenn die Methoden, Werkzeuge und Möglichkeiten der Digitalisierung in anderen Branchen seit Jahren Produkte, Geschäftsmodelle und Unternehmen verändern, diese Entwicklung aber in der Energiewirtschaft keinen Nachhall findet.

So haben sich z.B. Autos längst zu einem komplexen IT-System mit „Blechkleid“ entwickelt:

Viele hundert Sensoren und Aktoren greifen ineinander und werden über verteilte Systeme in einem Netzwerk gesteuert.
Bosch beschäftigt heute bereits ca. 20.000 Software-Spezialisten mit stark steigender Tendenz und versteht sich immer mehr als IT-Unternehmen.
Autonome Fahrzeuge mit vielen Ansätzen aus der KI befinden sich bereits im massenhaften Einsatz in der Landwirtschaft. Diese ähneln eher komplexen Robotern als einem klassischen Traktor aus den Kinderbüchern und -filmen.
Es darf nur nicht vergessen werden, dass Digitalisierung immer nur ein Werkzeug oder ein Mittel zum Zweck, nie aber das Ziel selbst ist.
Oder anders formuliert: Es bringt nichts, wenn man fleißig „digitalisiert“, ohne dass man sich darüber im Klaren ist, was man erreichen möchte.

Die Ziele, die mit Digitalisierung erreicht werden sollen, sind dabei meistens „old school“, also Klassiker in der Unternehmensführung:

Klarheit über Kernkompetenzen erzielen und diese stärken
Prozesse optimieren und Voraussetzungen für neue Prozesse oder Produkte schaffen
Effizienz erhöhen und Kosten reduzieren
Umsetzungsgeschwindigkeit erhöhen
Steuerbarkeit und Transparenz erhöhen
…und letztlich Change Management

Es muss auch nicht immer kompliziert und aufwändig sein:
Für die Digitalisierung sollte nicht das „halbe“ ERP-System für eine vollintegrierte Lösung mit hoher Automatisierung umprogrammiert werden. Häufig sind kleine „Insellösungen“ mit geschickter Integration besser, die auch zunächst eher prototypischen Charakter haben dürfen.
Google arbeitet auch nicht anders (Google-Labs).

Der Schwerpunkt der Digitalisierung wird bei vielen Stadtwerken auf Kundenprozesse mit Außenwirkung gelegt (Portallösungen, Social Media, Customer Self Service).
So wird schnell ein modernes und innovatives Image unterstützt. Entsprechend tummeln sich ier auch die meisten Start-Up-Unternehmen.
Eine große Wirkung hat Digitalisierung aber gerade auch nach innen: In Richtung der eigenen Mitarbeiter und der internen Prozesse.
Hier kommen dann auch die regulierten und regulierungsnahen Prozesse, der Messstellenbetrieb und Netzservice/Netzmanagement ins Spiel.
Nach meinen Erfahrungen sollte man nicht zögern, sondern einfach mit der Digitalisierung anfangen.

Auch wenn es zunächst nur ein kleines Thema oder eine eingeschränkte Lösung ist, so lassen sich doch die Mechanismen lernen und die Methoden skalieren.


2402Die letzte Meile


Die letzte Meile ist die zentrale Hürde in der neuen Energiewelt.

Die Digitalisierung der Prozesse und Produkte in der „neuen“ Energiewelt ist in aller Munde:
Die „Digitalisierung der Energiewende“ hat es sogar zum Gesetzespaket gebracht.
Der Prosumer – natürlich digitalisiert und im Strommarkt 2.0 – wird als Trend und Massenphänomen entdeckt.
Digitale Technologien wie Web-Portale, Customer Self Service, Prozesse auf Basis von Blockchain erobern die Energiewelt.
Wenn da nur nicht die letzte Meile, also der Weg zum Kunden wäre. Letztendlich muss ja sehr häufig in der Kundenanlage etwas angepasst, geändert oder eingebaut werden.
Und genau dort beginnen die Probleme:

Die Terminkoordination mit dem Kunden ist sehr aufwändig. Wenn dann ein Techniker vor Ort ist, steht dieser vor unerwarteten Hürden, sei es, dass der Zählerschrank aus dem letzten Jahrtausend ist, oder der Kunde kaum Informationen über die installierte Technik hat.
Außerdem muss man erst einmal einen Techniker, Monteur oder generell Handwerker haben oder beauftragen:
In Zeiten des Booms für das Handwerk sind diese „kleinen“ und kleinteiligen technischen Dienstleistungen nicht wirklich für Handwerker attraktiv oder interessant.
Dabei sind häufig ja auch Kompetenzen gefragt, die einen elektrotechnisch ausgebildeten Monteur regelmäßig überfordern:
- Wie verhalte ich mich im Kundenkontakt und beim Kundenservice?
- Wie konfiguriere ich Datenübertragung also IP-/WLAN-/Powerline-Technologie und erkenne Fehler?
- Wie gehe ich mit unerwarteten Situationen um (zwischenmenschlich, technisch bedingt…)?
- usw.

Von Problemen auf der letzten Meile sind die Kundenforen voll.
Genau dies ist aktuell auch der schwierigste Bereich für Stadtwerke und EVU.
Aber das ist immer auch eine Chance für neue spezialisierte Dienstleister im Energiemarkt.


0112Jahresausblick 2018


Noch hat es niemand in freier Wildbahn beobachten können. Doch im Jahr 2018 werden Kunden es zum ersten Mal im eigenen Keller sehen können, das „intelligente Messsystem“.
Was man damit genau anfangen soll und wozu es gut ist, weiß noch keiner so richtig. Und was wird das kommende Jahr noch für die Energiewirtschaft bringen?

Zunächst werden die „intelligenten Messsysteme“ intensiv die Mitarbeiter in der IT, im Prozessmanagement und im Zählerwesen beschäftigen. Komplexe Prozesse und Abläufe müssen aufgebaut und beherrscht werden.

Viele Netzbetreiber und Stadtwerke werden die Suche nach einem Gateway Administrator (GWA) des Vertrauens im Jahr 2018 intensivieren und sich wohl jetzt auch entscheiden müssen. Eine Handvoll GWA-Anbieter scheint sich durchzusetzen und auch entsprechende Skaleneffekte realisieren zu können, während kleinere GWA-Anbieter im Laufe der Jahre wohl aus dem Markt gedrängt werden.

Nur wenige Netzbetreiber und Stadtwerke (und dann eher größere) trauen sich die Gateway Administration eigenständig auf Basis einer der wenigen Software-Lösungen zu.
Ob sich die GWA in eigener Regie dauerhaft lohnt, muss sich noch heraus stellen; ich befürchte, dass dies nicht der Fall ist.

Welcher Nutzen für den Kunden mit intelligenten Messsystemen möglich ist und welche Vertriebsprodukte entwickelt werden können, wird eines der Hauptthemen im neuen Jahr sein.
Es zeichnen sich hier noch keine Ansätze ab, die einen deutlichen Mehrwert ggü. konventionellen Smart Meter-Produkten bieten. Im Segment der Kunden an RLM-Marktlokationen (>100.000 kWh/a) und den Kunden an Marktlokationen zwischen 10.000 kWh/a und 100.000 kWh/a werden diese neuen Angebote als erstes getestet werden müssen.

Diese Kunden haben aus der eigenen Anlagensteuerung und Überwachung, aus den Abrechnungsprozessen und der Effizienzsteigerung heraus durchaus Bedarf für die neue Messtechnik.
Ein echtes tragfähiges Produkt für den Massenmarkt der Haushaltskunden ist aber noch nicht erkennbar.
Weitere Themen, die die Energiewirtschaft im Jahr 2018 beschäftigen werden, gibt es viele:
So schreitet die Integration der dezentralen Erzeuger in die Netze weiter voran. Die Verteilnetzbetreiber werden dadurch an Bedeutung gewinnen, auch wenn nach dem GDEW (Gesetzespaket zur Digitalisierung der Energiewende) die ÜNB tiefen Einblick in die Verteilnetze bekommen (sollen).
Auch wird die (digitalisierte) Gestaltung der Kundenschnittstelle immer wichtiger. Hier verändern sich die Erwartungen der Kunden an die Energiewirtschaft weiter rapide und es ergeben sich Möglichkeiten und Chancen für Energieversorger.
Hier können bereits so einfache Dinge wie elektronische Rechnungen z.B. (verschlüsselte) PDF per signierter Mail oder >ZUGFeRD einen so großen Mehrwert für den Kunden darstellen, dass er einen höheren Energiepreis im Gegenzug akzeptiert.

Im besten Fall wird das „Thema Energie“ bei den Kunden weiter an Bedeutung und Beachtung gewinnen, so dass sich immer mehr Kunden für Energiedienstleistungen und ähnliche Lösungen entscheiden und Geschäftsmöglichkeiten außerhalb des Commodity-Vertriebs eröffnen.
Hierauf sind die Energieversorger in Zeiten fallender Margen im Standardgeschäft angewiesen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2018.


2009Das neue Messwesen


Bei einer Führung durch den Kölner Dom entdeckte ich diese inzwischen außer Betrieb genommene Smart Home Anwendung (s. Foto).

Das Interimsmodell für das „intelligente“ Messwesen nach Messstellenbetriebsgesetz steht vor der Tür, Gerätehersteller und Vertriebsgesellschaften stehen in den Startlöchern und werden erst die „Intelligenz“ und den Mehrwert für die Kunden schaffen.

Auch wenn weiterhin unklar ist, wann sich PTB, BSI und BMWi einigen und die Diskussionen über notwendige und ausstehende technische Richtlinien beenden, so schaut die Branche der Gerätehersteller bereits nach vorne in die „schöne neue Welt“ der Visualisierung und Steuerung über alle Sparten hinweg.
Die gerade stattgefundene Leitmesse „Metering Days“ hat davon bereits ein deutliches Bild gezeichnet.
Der Wettbewerb um die Messstelle im Bereich „großer SLP“-Lieferstellen, oder wie es jetzt bald heißt, Marktlokationen mit großen Jahresverbräuchen < 100.000 kWh/a ist in vollem Gange. Gerade Filialisten, Hotels und Gewerbekunden können aus einer Vielzahl von Angeboten wählen, bei denen die Strom- oder Gaslieferung nur einen immer kleineren Teil der erbrachten Leistungen ausmacht.

Jetzt gehen auch die ersten Unternehmen an den Markt, die im Massengeschäft der Haushaltskunden einen Zähler mit Kommunikationsmodul, eine App mit Analyseintelligenz und auch eine Stromlieferung mit monatlicher Abrechnung und ohne Abschlagsverfahren koppeln. Als Beispiel sei hier der „digitale Stromlieferant“ Fresh Energy genannt.
Diese neuen Geschäftsmodelle und neuen Angebote treffen auf Kunden, die erst langsam den Bedarf dafür entwickeln bzw. den Mehrwert verstehen und auch wünschen. Gerade im Geschäft mit Haushaltskunden muss sich dieser Bedarf noch entwickeln, im Bereich Gewerbekunden und Filialisten ist dieser schon stärker entwickelt.
Aber auch hier heißt es, dass gute und frühzeitige Angebote die Nachfrage fördern oder gar auch schaffen können, die diese für einen wirtschaftlichen Erfolg benötigen. Entscheidend ist es aber, nicht zu früh aber auch nicht zu spät an den Markt zu gehen. Hier sei an den ersten Tablet-Computer erinnert, den Apple in Form des Newton bereits 1993 an den Markt brachte und dem kein Erfolg vergönnt war.
Eine Stiftbedienung mit Handschrifterkennung, die Samsung heute als besonderes Feature in der Note-Baureihe (ab 2011) wieder aufgegriffen hat, brachte er bereits mit.

Das Messstellenbetriebsgesetz schafft nun die Basis für diese neuen digitalen Geschäftsmodelle.
Ende August und im September fanden allerdings wieder einmal Gespräche auf hoher Ebene zwischen BMWi, Bundesnetzagentur, BSI und PTB statt, um den Rahmen der technischen und regulatorischen Vorgaben für das Smart Meter Gateway, als wesentlichen noch fehlenden Baustein, festzuzurren.
Es bleibt für die Branche also weiterhin offen, wann Smart Meter Gateways verfügbar und einsetzbar sein werden. Darauf lässt sich schwer ein Geschäft aufbauen!
Dabei sind die Smart Meter Gateways nur ein wichtiger Baustein zum Erreichen der Ziele des Gesetzgebers. Wesentlicher noch fehlender Teil sind auch die Steuerboxen, mit denen viele geplante Anwendungen erst möglich werden und größerer Kundenmehrwert erst generiert werden kann.

Überlagert werden diese offenen Punkte im technischen und regulatorischen Rahmen von Grundsatzdiskussionen über die Übertragung der Verantwortlichkeit der Bilanzkreisaggregation vom VNB an den ÜNB. Dieses Thema ist aus meiner Sicht „huckepack“ in das Gesetzespaket GDEW hereingenommen worden.
Es hat mit der angestrebten Digitalisierung eigentlich nur am Rande etwas zu tun, hat aber heftigste Diskussionen zwischen den betroffenen VNB und ÜNB ausgelöst und sorgt somit für weitere Verzögerungen für den gesamten Markt.

Ein ähnlich grundsätzliches Thema ist der Klärungsbedarf zwischen BSI und PTB zum Thema „Ersatzwertbildung“ und eichrechtlicher Transparenz zur Messung und auch TruDi. Natürlich sind diese eichrechtlichen aber auch datenschutztechnischen Fragestellungen wichtig, der Kunde selber ist da meistens aber offener, vielleicht sogar leichtsinniger ausgerichtet.
So hatte ein IT-Spezialist einmal die Risiken im Datenschutz von vernetzten Autos kommentiert, dass jeder Autofahrer mit einem Handy in der Jackentasche mehr Sicherheitslücken mitbringen würde, als ein vernetztes Auto diese überhaupt haben kann.
Mit etwas Überspitzung kann man sagen, dass fast jeder Kunde ein Sicherheits- und Datenschutzniveau an seinem DSL-/Internetanschluss zu Hause, seinem Handy in der Tasche und seinen Onlinediensten akzeptiert, welches im Messwesen nie erlaubt sein würde.

Vielleicht sollten wir alle etwas pragmatischer an die Sache herangehen, damit die Chancen für den Markt und der Mehrwert für den Kunden auch realisiert werden können.
Im Kölner Dom wurde diese Smarte Steuerung vom Foto oben bereits vor einigen Jahren durch eine neue und auch auch in ein Netzwerk eingebundene Steuerung der Lichttechnik ersetzt.

2107Konvergenz in der Energiewirtschaft


Der bdew stellt sein Magazin "Streitfragen" ein und bringt das neue Magazin Zweitausend50 heraus.
Eigentlich ist dies keine besondere Meldung wert, oder?
Ich sehe das anders, denn der bdew aber auch andere Verbände wie VKU, gdw oder auch VDA besetzen das gleiche Thema.
"Digitalisierung" tritt als Schlagwort in nahezu jeder zweiten Pressemeldung auf und verdrängt das schon länger stark repräsentierte "smart" auf den zweiten Platz. Nach Smart Home, Smart Grid, Smart Country, Smart Data, Smart Market und natürlich Smart Energy gibt es jetzt "digitales Wasser", Digitalstrom, die digitale Öl- und Gasindustrie, den digitalen Kundenkontakt 2025, und auch ein "Virtuelles Institut Smart Energy zur Digitalisierung der Energiewirtschaft". Wow!
Smart Teeth gibt es auch, die haben aber mit Energiewirtschaft nichts zu tun und sind "nur" der Marketing-Slogan eines Kölner Zahnarztes.
Über Energy 2.0 redet inzwischen auch niemand mehr, eher schon Industrie 4.0.
Nach Jahren der Auseinandersetzung mit dem Gesetzgeber zur Ausgestaltung der Energiewende gerade auch in Form von "Streifragen" ist dies eine sehr positive Entwicklung. Hinter dem "Marketingsprech" stehen ja zwei zentrale Ziele, die die Unternehmen und auch die Verbände damit verfolgen:
1. Allgemeine Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen in den eigenen Abläufen und Prozessen
Hier hat nicht nur die Energiewirtschaft enorme Potenziale durch eine höhere Automatisierung und breitere IT-Unterstützung, die Ausweitung der Kontaktkanäle, "Customer Self Service" usw., die bisher noch viel zu wenig genutzt wurden.
Es geht dabei auch nicht um gänzlich neue Verfahren und Technologien, sondern eher um die Implementierung von Technologien, die sich in anderen Branchen bereits bewährt haben. Somit sind es weniger neue innovative Ansätze, als die Übertragung bewährter Verfahren in die eigene IT- und Prozesslandschaft.
2. Anpassung der Geschäftsmodelle
Es dürfte inzwischen Konsens in der Energiewirtschaft sein, dass die ausschließliche Lieferung von Strom und Erdgas (und ggf. Wasser) kein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell mehr darstellt. Unter Digitalisierung wird dann die Einführung neuer Produkte und auch Geschäftsmodelle verstanden, die häufig auf digitalen Lösungen aufsetzen und bei denen die Energielieferung nur noch ein Nebenaspekt ist.
Dies ist eigentlich ein ganz normaler Prozess in den Unternehmen als Reaktion auf eine Veränderung des Marktes. Neu für die Energiewirtschaft ist dabei nur, dass die Anpassung des eigenen Geschäftsmodells "neu" ist.
Neue Geschäftsfelder wurden bisher häufig nur als "Piloten" oder auch "Exoten" ausprobiert und vorsichtig beleuchtet (Elektromobilität, Smart Meter, Telekommunikation/Breitband, Sektorkopplung mit Wärme, Mieterstrom, Quartierskonzepte...).
Jetzt wird vielen Entscheidern in der Energiewirtschaft klar, dass diese "Exoten" vielleicht bald den Kern des Geschäfts ausmachen werden (müssen).
Somit kommt das neue Magazin Zweitausend50 des bdew zum richtigen Zeitpunkt.

1805Einheitliche und/oder pauschale Netzentgelte?


Aus der ZfK-Mitteilung vom 17. Mai 2017:
Einheitliche ÜNB-Netzentgelte sollen doch kommen
Überraschende Wende: Die Regierungsfraktionen diskutieren doch noch über eine Integration einheitlicher Netzentgelte in das NEMoG….“

Vermutlich ist es jetzt nur noch eine Frage der Zeit, wann einheitliche Netzentgelte auf ÜNB-Ebene kommen. Wie sieht es auf der Verteilnetzebene aus?
Wenn man hier einheitliche Netzentgelte einführen würde, dürfte es deutlich größere Verwerfungen und politische Auseinandersetzungen geben. Zu groß sind die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland.
Und was macht Österreich?

Dazu im Bild ein Ausschnitt aus der ZfK-Zeitung ebenfalls aus Mai 2017.
Was in Österreich nun ab 2019 gelten soll, wurde in Deutschland schon vor längerer Zeit diskutiert (z.B. auf der DENA-Veranstaltung im November 2013: Dialogforum Netzentgelte).
Die konkrete Einführung von pauschalen Netzentgelten („flatrate Netznutzung“) an Hand der Anschlusskapazität würde die Anpassung verschiedener Regularien (u.a. StromNEV) erfordern. Hierzu fehlt aktuell der politische Wille.
Bei den VNB wird dies aber intern heute bereits als Szenario durchgerechnet. Außerdem haben viele Netzbetreiber auf der Verteilnetzebene die Grundpreise in den Netzentgelte Jahr für Jahr sukzessive angehoben und gleichzeitig die Arbeitspreise gesenkt.
Hier finden Sie einen Vortrag der BNetzA aus 2014 genau zu diesem Sachverhalt.

Somit findet in Deutschland heute eine schleichende Einführung eines pauschalen Netzentgelts statt, allerdings in eher ungerechter Form, da der Grund- und Arbeitspreis in der Netznutzung für alle Abnahmestellen (Messlokationen) zwischen 0 und 100.000 kWh/a gleichartig gilt – unabhängig von der bezogenen Leistung (wie in Österreich) bzw. der Netzanschlusskapazität.
Sachgerecht wäre die Einführung eines Stufenmodells für den Grundpreis der Netznutzung. Hier würde sich als Kriterium die technische Anschlusskapazität anbieten. Man könnte dann Kategorien für die Anschlusskapazität bilden, in denen ein Grundpreis Netznutzung gilt.
Dadurch würden die komplexen Mengenabgrenzungen (Gradtagszahlen, Lastprofil…), die Messwertverarbeitung und bei Gas die thermische Mengenermittlung deutlich einfacher werden oder gar komplett entfallen. Eine deutliche Vereinfachung der Netzabrechnung wäre die Folge…

0605Das Steuer- und Abgabensystem für Strom


Der Leitartikel der "Energie und Management"-Zeitung vom 1. Mai 2017 beschreibt sehr gut die zentrale politische Herausforderung in der nächsten Legislaturperiode:
Mehr zielorientierte Anreize und die richtige Lenkungswirkung durch das Steuer- und Abgabensystem auf Strom und andere Energieträger.
Wie sieht es hier heute aus?
Das Steuer- und Abgabensystem hat auch heute eine starke Lenkungswirkung. Diese Lenkungswirkung muss allerdings hinterfragt werden, ob nicht immer drängendere Fragestellen eine höhere Bedeutung bekommen müssen:
Energiearmut (hier besonders Stromarmut) verbreitet sich immer stärker und wird auch in der Gesellschaft zunehmend als Problem angesehen.
Dazu kommt das Gefühl der Ungerechtigkeit, wenn weite Teile der Industrie bei der EEG-Umlage und anderen Abgaben Vorteile genießen, und Eigenheimbesitzer durch EEG-Anlagen ihre Umlagenlast ausgleichen können.
Das vermutlich in einigen Monaten kommende PV-Mieterstromgesetz) lässt das Umlagesystem unangetastet und führt nur eine neue Komponente („Mieterstromzuschlag“) ein, die weitere komplexe Anforderungen an die Abwicklung im System und gerade auch beim Netzbetreiber stellt.

Neben der politisch zu bewertenden zunehmenden „Ungerechtigkeit“ im Umlagensystem ist gerade auch die Abwicklungskomplexität zu hinterfragen:
Die jährliche Berechnung der Umlagenhöhe in den einzelnen Komponenten aus EEG, KWKG und EnWG) ist kaum noch für Dritte (auch fachlich versierte Energiewirtschaftler) nachvollziehbar.
Der Geldfluss selbst zwischen zahlendem Kunden, Netzbetreiber, Energielieferanten, Übertragungsnetzbetreiber und wieder zurück hat vielleicht einen akademischen Charme, erzeugt aber auch erhebliche volkswirtschaftliche Aufwände. Wenn dann eine Umlage wie die Offshore-Haftungsumlage nach § 17f EnWG zwischenzeitlich sogar negative Werte annimmt, wird es wirklich unüberschaubar.
Der Sinn und die Ziele hinter der Stromsteuer erschließen sich – so meine ich – auch kaum noch.

Einer der zu Grunde liegenden Lenkungswirkungen der Umlagen und Steuern auf Strom, nämlich der Anreiz zum Stromsparen, wird zunehmend ad absurdum geführt, wenn der Anteil regenerativ erzeugten Stroms weiter steigt und andere Energiearten (wie z.B. Erdgas und Benzin) deutlich niedriger mit Umlagen belastet werden. Hierzu hat die AGORA auch eine Studie veröffentlicht.
Letztendlich muss das Ziel der CO2-Reduktion als maßgeblicher Treiber der Klimaveränderung stärker verfolgt werden. Im Sinne der „Sektorkopplung“ sollten dabei die Energieträger entsprechend ihrer CO2-Wirkung eingestuft werden.
Vielleicht hat dann ja eine energieträgerübergreifende CO2-Steuer mehr Sinn als „kleinteilige“ und spezifische Umlagen, die jeweils über eine komplexe Kette erhoben und abgewickelt werden.
Ich bin gespannt, ob nach der Bundestagswahl der politische Wille für einen grundsätzlichen Umbau des Umlagensystems ausreicht.
Für die Energiebranche aber auch unsere Kunden wäre dies wünschenswert.


2402Einfach kleinteilig...

Whoa you got to keep it simple nowadays and that's just that
Whoa you got to keep it simple nowadays and that's just the way it is
And you got to keep it simple these days 'cos that's the way it is

(Van Morrison)
In vielen Überlegungen zu neuen Geschäftsmodellen, Produkten, Strategien und Kundenbedürfnissen spielen die aktuellen "buzz"-Words eine große Rolle:
blockchain (siehe unten), Digitalisierung, Utility 4.0, Disruptive Ansätze, Big Data, Smart Utility, Smart Data, Smart Markets, Smart Country, Smart City, Smart "alles"

Ich empfehle dabei eher diese Begriffe links liegen zu lassen und einfache Lösungen zu suchen und Produkte zu entwickeln, die ohne viel Aufwand dan den Markt gebracht werden können.

Für einfache Ansätze braucht man meistens keine komplexe IT-Architektur, keine fundamental neuen Software-Strukturen wie blockchain, keine vollständige Digitalisierung bis in den letzten Prozessschritt usw.
Manchmal ist nur etwas Mut nötig, dass man mit den vorhandenen Menschen, Ressourcen, IT, ... eine einfache Lösung schafft.
Hierbei empfehle ich auch Mut zum Ausprobieren und zum Risiko:
Ein neues Produkt erreicht vielleicht manchmal nur eine Nische von 1.000 Kunden. Das ist aber nicht schlimm... Wenn jeder neue vertriebliche Ansatz nur weiter verfolgt würde, wenn man damit sicher 100.000 Kunden erreicht, hätte kaum eine Innovation eine Chance.

Viele große Innovationen hatten kleinere Vorgänger, die den Weg bereitet haben. So steht der Newton von Apple zwar als Nischenprodukt in den Annalen der Unternehmensgeschichte. Der Newton bereitete aber den Weg zum ersten Smartphone und den Tabletcomputern.
Auch muss die "Data" gar nicht "big" sein:
Ein Auftraggeber von mir erzählte, dass er einen Werkstudenten eine Auswertung durchgehen ließ. In der Auswertung waren alle verlorenen Kunden der letzten Zeit aufgeführt, zu der man eine Bankverbindung kannte.
Wenn diese Bankverbindung auf eine Online- oder Direkt-Bank verwies, hat das Stadtwerk die Kunden mit einem Angebot für einen Online-Tarif zurückzugewinnen versucht.
Diese kleine Aktion zur Kundenrückgewinnung brachte tatsächlich eine Zahl von Kunden wieder zurück. Der Aufwand dafür war dabei sehr überschaubar.
Somit empfiehlt sich ein kleinteiliger und einfacher Ansatz:
Einfach mal Dinge ausprobieren, die weitgehend mit den vorhandenen "Bordmitteln" umsetzbar sind. Wenn dann nur wenige Kunden darauf anspringen, probiert man halt die nächste Idee aus. Dabei darf man keine Angst vor einem vielfältigen und kleinteiligen Produktportfolio haben, was sich bei dieser Vorgehensweise fast zwangsläufig ergibt.

Viele Firmen in anderen Branchen arbeiten heute bereits so und stellen einfache - teilweise auch nur halbfertige - Produkte in den Markt. Dann wird auf die Kundenresonanz gewartet. Im Falle des Erfolgs wird das Produkt dann "fertigentwickelt" bzw. ausgebaut.
Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder startnext sind eigentlich auch nur eine Art fokussierter Marktforschung mit neuen Produkten (die auch meistens eher halbfertig sind).


2012"Workin‘ on a (block) chain" …frei nach Sam Cooke...

“I hear somethin' sayin' /
That's the sound of the men working on the chain ga-a-ang /
That's the sound of the men working on the chain gang /
All day long they're singin'…”


Das neue Hypewort block chain ist jetzt auch in der Energiewirtschaft in aller Munde, seit es in Brooklyn, New York, das Pilotprojekt brooklyn microgrid gibt und die Technologie dahinter immer häufiger diskutiert wird.
Das Prinzip hinter der block-chain-Technologie ist durchaus sehr intelligent z.B. hier gut erklärt.
Nun soll aber die block chain die Kundenbeziehung in der Energiewirtschaft revolutionieren und einfach, sicher und transparent viele neue Produkte und Innovationen ermöglichen.
Dabei ist es doch nur eine Technologie, also ein Werkzeug, um ein Produkt oder eine Dienstleistung umzusetzen!
Die Kunden werden ein Produkt nicht akzeptieren, weil es block chain-Technologie beinhaltet, sondern weil es Ihnen einen Nutzen oder Mehrwert bringt.
Die meisten Ideen, die im Zusammenhang mit block chain genannt werden, lassen sich meistens auch mit konventioneller (IT-)Technik umsetzen. Vielleicht ist es dann etwas aufwändiger, komplizierter oder auch teurer.
Eine gute Beschreibung des aktuellen Stands verschiedener Ansätze in der Energiewirtschaft mit block chain hat gerade die Zeitschrift "Technology Review" im Heft 01/2017 veröffentlicht.
Fazit von Technology Review: "Ist hier also eine Lösung auf der Suche nach einem Problem?"
Nur das Benutzen einer neuen Technologie ist noch kein Produkt. Für ein gutes Produkt müssen wir uns weiter um gute Ideen kümmern, den Markt beobachten und Innovationen und Kreativität fördern.

0312Alles Gute für 2017!















0312Weiter Warten auf Godot…

Das Messstellenbetriebsgesetz ist seit September 2016 in Kraft. Es könnte damit der Rahmen für den Roll-Out von Smart Metern (bzw. intelligenter Messsysteme) klar sein. Dies ist aber nicht der Fall. Weder die Anforderungen an die Gerätetechnik und die IT, noch die Abläufe und Prozesse sind so weit geklärt, dass Projekte geplant, Budgets beantragt, Ressourcen aufgebaut und Zeitpläne festgelegt werden können.

Zur Umsetzung des Messstellenbetriebsgesetzes sind umfangreiche Investitionen in IT, Gerätetechnik und Personalressourcen erforderlich. Diese sollten mit ausreichendem Vorlauf geplant und dann getätigt werden.

Genau dies ist weiterhin nicht möglich, da sich das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) und die PTB (Physikalisch Technische Bundesanstalt) zwar seit Jahr und Tag die Umsetzung des Messstellenbetriebsgesetzes vorbereitet haben, bis heute aber keine abschließenden Vorgaben in Form von Richtlinien veröffentlichen konnten.
Natürlich gibt es bereits einen Satz umfangreicher Richtlinien und Vorgaben beider Ämter, es bleiben aber zentrale Punkte unsicher:

Wann haben die Richtlinien ausreichend Bestand und werden zunächst nicht wieder geändert, so dass man auf dieser Basis Geräte wie Smart Meter Gateways herstellen und Prozesse und IT ausprägen kann?
Zu welchem Zeitpunkt liegen dann zertifizierte Smart Meter Gateways vor, so dass der Roll-Out beginnen kann?


Beide Punkte kann man auch 3 Monate nach in Kraft treten des Gesetzes nicht sicher beantworten. Ohne eine belastbare Aussage müssen alle Planungen offen bleiben und Investitionsentscheidungen lassen sich nicht treffen.
So müssen wir weiter „auf Godot“ warten. Allerdings wird Godot irgendwann tatsächlich kommen…

1611Mr. Trump, Vertrauen und die Chance für Stadtwerke

Die VKU-Landesgruppe Baden-Württemberg hat gerade einen lange vorbereiteten Zukunftskongress veranstaltet und damit einen wichtigen Prozess zur Strategieentwicklung und Positionierung der Stadtwerke forciert.
Dabei wurden weniger neue „Unwörter“ wie Flexitility erdacht als ganz konkrete Ableitungen aus den erwarteten Megatrends gefunden.
Eine zentrale These des Zukunftskongresses war, dass Stadtwerke weiterhin im Vergleich zu vielen anderen Branchen ein sehr hohes Kundenvertrauen genießen. Dieses Vertrauen zusammen mit dem kommunalen Bezug kann eine große Chance für Stadtwerke werden, um gegen weltweite „anonyme“ IT-Riesen mit digitalisierten Produkten in der Kundengunst zu bestehen.

Misstrauen prägt aber immer stärker den politischen Diskurs:
Dem „Establishment“, den „Institutionen“ und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wird misstraut.

Die Wahl Donald Trumps ist – sicherlich neben vielen anderen Aspekten – auch ein Ergebnis dieses um sich greifenden Misstrauens. Bezeichnenderweise ist in den ersten Tagen nach der Wahl in den USA nur klar, wem Mr. Trump misstraut und wogegen er ist, weniger wofür er steht und welche Ziele er verfolgt. Dies ist aber die Voraussetzung für Vertrauen.

Nun steht der Roll-Out „moderner Messeinrichtungen“ und „intelligenter Messsysteme“ nach Messstellenbetriebsgesetz an:

Der Kunde kann den Roll-Out nicht verhindern, die Stadtwerke müssen die neue Messtechnik einbauen. Die Preise (Messentgelte) sind mehr oder weniger festgesetzt (definierte gesetzliche Preisobergrenzen), der Kunde erkennt dabei zumindest heute keinen Nutzen.

Umso mehr wird beim Smart Meter Roll-Out das Vertrauen zwischen Kunde und Stadtwerk auf die Probe gestellt. Im schlimmsten Fall geht das Vertrauen verloren und kann so schnell nicht wieder zurückgewonnen werden.

Somit wird die Kundenkommunikation auch beim Smart Meter Roll-Out zur zentralen Frage, um das verbreitete Vertrauen der Kunden in die Stadtwerke zu erhalten.
Danach können auch die Zukunftsthemen angegangen werden.

28081996 das letzte Atomkraftwerk abschalten!

In der Wochenendeausgabe des Kölner Stadtanzeigers gibt es die Rubrik "Vor 30 Jahren - ein Blick zurück", die ich dieses Mal besonders interessant fand. In dem Artikel wird über eine Beschlussfassung des SPD-Parteitags zum Atomaustieg in einer Sitzung im August 1986 berichtet. In 10 Jahren sei man in der Lage eine Energieversorgung ohne Atomkraft sicherzustellen.

Dieser Beschluss dürfte unter dem Eindruck der Tschernobyl-Katastrophe im Frühjahr des gleichen Jahres gefasst worden zu sein.
An die Katastrophe erinnere ich mich persönlich noch gut, weil ich nach Ankunft der "Strahlenwolke" in Norddeutschland joggen gegangen war, und mein Vater mit einem Geigerzäler aus der Schule meine Schuhe auf Strahlung untersucht hatte:
Die Strahlung der Sohlen meiner Turnschuhe war immerhin so hoch, dass diese im Physikraum einer Schule als radioaktive Probe hätten registriert und gemeldet werden müssen.
Erstaunlich ist der Beschluss des SPD-Parteitags auch deswegen, weil damals die Windkraft in den Kinderschuhen steckte (GROWIAN - "Große Windanlage" mit 3 MW Leistung, damals Weltrekord), PV-Module zu ineffizient waren und Biogasanlagen auch nur Pilotanlagenstatus hatten.
Somit plante man offensichtlich mit dem Bau vieler Kohle- und Gaskraftwerke, den einzigen damals bekannten und verfügbaren Kraftwerkstechnologien neben der Atomkraft. Aus heutiger Sicht ist diese Vorstellung kaum nachvollziehbar.

Dass der Atomausstieg heute mindestens europaweit unumkehrbar ist, sieht man an dem politisch überfrachtetem Kraftwerksprojekt in Hinkley Point, dessen Realisierung mal wieder in den Sternen steht und der Kostenexplosion und zeitlichen Verzögerung in Finnland beim Reaktor Olkiluoto.
Auf dem Flohmarkt fand ich vor Jahren das Buch "Die friedliche Verwendung der Kernenergie" von Gerald Wendt und herausgegeben 1957 in Zusammenarbeit mit der UNESCO. Im Vorwort zum Buch beschreibt Luther H. Evans, damaliger Generaldirektor der UNESCO, bereits die wesentlichen Thesen:

ZITAT "[...] Alle Völker der Erde sollen Zutritt haben zu den Kenntnissen über atomare Stoffe und über die praktischen Anwendungen der Kernenergie. Die Kenntnisse sind heute für die Öffentlichkeit ebenso wichtig geworden, wie es bis jetzt diejenigen der Verwendung von Kohle und Dampfe waren.
[...] Die UNESCO [...] schätzt sich glücklich [...] dieses Schrift veröffentlichen zu können, [...] gewidmet einer großen Entdeckung, die ohne Zweifel in naher Zukunft schon eine Hebung des Lebensstandards der ganzen Menschheit erlauben wird..." ZITAT ENDE

Das hat ja nicht so geklappt.
Für mich unterstreicht dies nur noch mehr, dass Atomkraft schon immer ein politisches Thema war, und weniger ein wirtschaftliches oder gar betriebswirtschaftlich-unternehmerisches...

1706Das Ende des Commodity-Vertriebs

Der EnBW-Konzern und auch die Tochter Watt AG haben den Vertrieb an Großkunden eingestellt. Die laufenden Lieferverträge werden zwar bis zum Ende der Laufzeit bedient, es wird aber keine Verlängerung oder ein neuer Vertrag angeboten.
Dieser Schritt ist ein Teil einer Neuausrichtung des gesamten EnBW-Konzerns und natürlich auch ein Baustein zur Kostenreduktion aber insbesondere die Aufgabe eines Geschäftsfelds, indem seit längerem kein Geld mehr verdient wurde.
Der letzte Punkt entspricht der marktwirtschaftlichen Regel, dass man ein Geschäftsfeld nur betreiben sollte, wenn man dort auch Geld verdient. Eine grundlegender Punkt, der sich nicht immer durchsetzt.

EnBW scheint hier in die klassische Commodity-Falle geraten zu sein. Zitat aus der Pressemitteilung: „Der Preiswettbewerb hat in diesem Geschäft deutlich zugenommen. Nach eingehender Analyse und Prüfung aller Optionen sind wir zu dem klaren Ergebnis gelangt, dass sich das klassische Großkundengeschäft in Zukunft für uns weder wirtschaftlich betreiben lässt noch hinreichendes Wachstumspotential bietet.“
Na klar, wenn es nur noch den Preis als Differenzierungsmerkmal gibt, hat die Commodity Falle zugeschnappt. Der direkte Zugang zur Börse, eine Handelsplattform, das Management eines Bilanzkreises und des Netzzugangs sind heutzutage für Großkunden kein Hindernis mehr.
Dann bleibt nur noch der Preis als Differenzierungsmerkmal...

Auch weitere mit der Energieversorgung verbundene Themen nehmen die Kunden selber in die Hand:
Den Aufbau von Energiemanagement-Systemen, von Energieeffizienz-Werkzeugen, Lastmanagement, der Betrieb von Eigenerzeugungsanlagen (gerade auch regenerativ) und selbst Anlagen zur Teilnahme an Minuten- und Sekundenreserve der ÜNB machen Großkunden zunehmend selbst.

Sie brauchen (leider) keinen Energieversorger und kein Stadtwerk mehr dafür. Diese Chance für den Energievertrieb aus der Commodity-Falle herauszukommen scheint zumindest im Bereich der Großkunden verpasst zu sein.
Erschreckend ist dabei, dass zumindest die Watt AG einen Standard-RLM-Kunden mit 100.000 kWh/a bereits als Großkunden bezeichnet.

1403Wo war E.ON?

Auf der E-World-Messe war ich selber zunächst sehr erstaunt. Vielen anderen Besuchern ist es ähnlich gegangen. Und dem einen oder anderen E-ON-Kollegen stand eine gewisse Verunsicherung ins Gesicht geschrieben.

Wo war E.ON auf der Messe?

Erst am zweiten Messetag hatte ich den einzigen Stand gefunden, der das E.ON-Logo zeigte: Die E.ON Metering GmbH in Halle 4, neben Kiwi-Grid und TÜV-Nord.
Das war doch sehr erstaunlich, weil der große und eher monolithische E.ON-Stand bisher einen erheblichen Teil der Halle 3 in Beschlag nahm.
Dort in Halle 3 herrschte nun die blaue Farbe des neuen Logos der uniper vor. Vom Eindruck her war der Stand etwas kleiner als der vorherige E.ON-Stand. Was steckte wohl hinter dieser Entscheidung der alten/neuen Vorstände von uniper und E.ON?

Sicherlich sollte uniper als neue Marke und neues Unternehmen an prominenter Stelle platziert werden.
Irgendwie repräsentiert aber doch gerade die neue E.ON die an erste Stelle gesetzten und wachstumsbringenden Geschäftsfelder (Vertrieb, Netze, erneuerbare Energien, energienahe Dienstleistungen usw.), oder? Diese Geschäftsfelder prägten auch die Mehrheit der anderen Messestände und insbesondere auch die Messegespräche.
In der neuen E.ON sollen die (neuen/alten) E.ON-Mitarbeiter mit neuem Schwung, mit großer Veränderungsbereitschaft und viel Motivation die Wachtsumsfelder beackern. Das (quasi) Nichterscheinen der E.ON auf der Leitmesse der Energiewirtschaft wirkt da schon erstaunlich.
Oder wird 2017 die E-World-Messe einen neuen großen E.ON-Stand mit einem Feuerwerk neuer Ideen und Produkte erleben?
Das bleibt dem Unternehmen zu wünschen.
Zumindest die E.ON Metering war in Halle 4 dieses Jahr bereits umtriebig und hat für die neuen Angebote zum Messstellenbetrieb mit intelligenten Messsystemen geworben.
Oder sollte der große uniper-Auftritt auf der Messe 2016 zu Ungunsten der E.ON nur den Aktienkurs der uniper „pushen“?

1102Es ist wieder E-World-Messe

Jetzt folgt wieder das große Schaulaufen der Energiewirtschaft: Die E-World-Messe in Essen in der nächsten Woche. Die Telefone stehen nicht still, viele Termine werden vereinbart und die Entscheidung, zu welcher Standparty man dieses Jahr, ist getroffen. Oder?

Was wird das große Thema dieser Messe sein?

Nun, wo schon das Bundeswirtschaftsministerium die „Digitalisierung der Energiewende“ ausgerufen hat, wird sicherlich dieses Schlagwort auch die Messe beherrschen. Wie man genau eine Energiewende digitalisiert, bleibt mir schleierhaft. War die Wende denn vorher analog?
Das anstehende Messstellenbetriebsgesetz wird sicherlich auf vielen Ständen als Thema dominieren. Auch, weil durch das Gesetz die Notwendigkeit von Kooperationen in der Energiewirtschaft deutlich verstärkt wird. Hier können sich also wirklich „Lösungsanbieter“ und „Kunden“ präsentieren und finden, was der eigentliche Kern jeder normalen Messe ist, auf der E-World bislang nur wenig ausgeprägt war.
In den letzten Jahren schien mir das Ziel der Messe zu sein, das eigene Unternehmen vor den Wettbewerbern zu präsentieren, bestehende Geschäftsbeziehungen zu pflegen und sowieso für Januar und Februar geplante Geschäftstermine auf die Messe zu legen. Und natürlich wurde reihum auch mit Wettbewerbern über die Zukunft der Energiewirtschaft und die Energiepolitik „getratscht“.

Zurück zum Messstellenbetriebsgesetz (MsbG):
Erst nach der E-World-Messe tritt das Messstellenbetriebsgesetz in Kraft. Trotzdem werden eine große Zahl von Unternehmen bereits Lösungen auf der Messe anbieten, die die Umsetzung des MsbG ermöglichen sollen. Viele (fast alle) konzentrieren sich dabei auf die Smart Meter Gateway Administration, ein zwar neuer und zentraler Prozess – allerdings auch nur ein Teil des großen Ganzen.
Vollumfassende Lösungen zur Umsetzung des MsbG kann es heute auch noch gar nicht geben, weil maßgebliche Rahmenbedingungen fehlen – und damit meine ich nicht den finalen Gesetzestext, sondern vielmehr Schnittstellenprotokolle zur Datenkommunikation, Nachrichtenformate (MaKo), Prozessvorgaben der Bundesnetzagentur, Vertragsmuster…
Das Messstellenbetriebsgesetz wird auch eine Reihe von zentralen organisatorischen und personellen Fragen stellen, die jedes Unternehmen für sich entscheiden muss. „Lösungen“ findet man dazu nicht auf einer Messe.
Derweil geht die Suche nach neuen tragfähigen Geschäftsmodellen in der Energiewirtschaft jenseits des Commodity-Vertriebs weiter. Ob das Messstellenbetriebsgesetz dabei die Basis für neue Kundenprodukte sein wird, ist heute noch nicht klar absehbar. Zumindest wird damit aber eine technologische Basis geschaffen, die eine weitere „Digitalisierung“ der Kundenprozesse ermöglicht.

Foto: E-world energy & water GmbH" Fotograf Rainer Schimm

2911Jahresausblick 2016

Ein Ausblick zum Jahresende: Vor Weihnachten sollte man zurückschauen, aber dann den Blick nach vorne richten, denn 2016 wird (wieder einmal) fundamentale Änderungen für die Energiewirtschaft bringen.

Vattenfall wird wohl erst 2016 das Braunkohlerevier in Ostdeutschland mitsamt der Kraftwerke verkaufen können. Neben dem Interesse der großen Energieversorgern aus Tschechien (und eines marketinggetriebenen Gebots von Greenpeace) gibt es Gerüchte, dass die STEAG Interesse an der Braunkohle von Vattenfall haben könnte. Ob das wohl Bestand haben wird…
Es bleibt abzuwarten, für welche Lösung sich Vattenfall, die betroffenen Bundesländer und die Politik letztendlich entscheiden werden.
Ein „normaler“ Verkauf von Unternehmensteilen unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird das in jedem Fall nicht.
Welche Strategie Vattenfall neben dem Verkauf der Braunkohle in Deutschland verfolgt, bleibt mindestens nebulös.

Was steht 2016 noch auf der Agenda:
Die Aufspaltung des E.ON-Konzerns wird vollzogen. Die ersten Umzüge von neuen UNIPER-Mitarbeitern nach Düsseldorf und neuen/alten E.ON-Mitarbeitern nach Essen hat wohl schon begonnen.
RWE wird sich ebenfalls grundlegend neu aufstellen und dabei einiges bewusst anders angehen als das E.ON-Management.
Von EnBW hört man diesbzgl. nicht viel.

Den sicherlich bedeutendsten Einfluss auf die Energiewirtschaft – und hierbei nahezu alle Unternehmen – wird das Maßnahmenpaket zur „Digitalisierung der Energiewende“ und da insbesondere das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) haben.

ERLAUBEN SIE MIR DAZU EINE KLEINE GLOSSE:
...wie wird die Energiewirtschaft im Jahr 2032 aussehen?


Nach der Verabschiedung des Messstellenbetriebsgesetzes am Anfang des Jahres 2016 haben viele Gerätehersteller mit der Technik und den einzurichtenden Sicherheitsprotokollen zu kämpfen.
Wirklich einsatzbereite und gute Gateways sind zunächst noch rar. Die ersten Ausschreibungen der Stadtwerke und Messstellenbetreiber zur Beschaffung intelligenter Messsysteme bringen nur wenige und noch weniger belastbare Angebote der Gerätehersteller. Der Beginn des Roll-Outs droht sich zu verzögern…

Viele Netzbetreiber hängen noch an ihrem Messstellenbetrieb und der Auslesung und versuchen die neue Welt des MsbG und die „digitalisierte Energiewende“ zu ignorieren. Die neuen Anforderungen stellen diese Netzbetreiber, die jetzt auch grundzuständige Messstellenbetreiber für intelligente Messsysteme sein müssen, vor immer mehr Probleme.

Die Energielieferanten schauen sich lange die Entwicklung an und lassen sich kaum dazu motivieren, dass neue Entgelt für die intelligenten Messsysteme nach Preisobergrenzen über die Stromrechnung abzurechnen. Der Kunde würde das immer als Preiserhöhung und Motivation zum Wechsel interpretieren. Wer möchte da schon „Überbringer der schlechten Nachricht“ sein?

Andere Netzbetreiber wiederum konzentrieren sich auf Ihr Kerngeschäft des Verteilnetzes und haben per Ausschreibung den grundzuständigen Messstellenbetrieb an die drei, vier großen MSB-Plattformen, die sich gebildet haben, oder eines der großen Stadtwerkenetzwerke abgegeben.

Die Verteilnetzbetreiber bereiten weiter den Übergang auf eine pauschale Netznutzung vor, bei der nur noch ein Grundpreis und ein pauschaler Leistungspreis abgerechnet wird. Die Netz-Flat-Rate hält Einzug…
Ablesewerte benötigen diese Netzbetreiber dann nicht mehr und klinken sich aus der Gateway-Kommunikation und dem Messstellenbetrieb aus.

Die großen MSB-Plattformen kämpfen mit den IT-Herausforderungen und den vielfältigen Kommunikationsstrecken. Ein bisschen erinnert die Situation an die Einführung der LKW-Maut…

Die ÜNB bereiten vor, dass sie in Zukunft die große „Datendrehscheibe“ im Strommarkt werden und initiieren große IT-Projekte, um mit dem anlaufenden Roll-Out täglich die Daten aus Millionen von Gateways in den Verteilnetzen auszulesen und zu verarbeiten.

Die Letztverbraucher, die ein intelligentes Messsystem zu Hause haben, verstehen die Rechnungen nicht, die sie von einem Unternehmen bekommen, das sie gar nicht richtig kennen. Trotz des extrem hohen Datenschutzniveaus gehen Ängste vom „gläsernen Bürger“ durch das Land.

Der Elektroninstallateur Walter M. wirft in einer Seitenstraße in Kleinmückersdorf Postkarten in die Briefkästen der Anwohner, weil der Strom wegen einer Kabelreparatur für eine Stunde abgestellt werden muss. Von den drei bereits ausgerollten intelligenten Messsystemen in dieser Straße weiß er nichts.
Nachdem Walter M. dann eine Woche später den Graben ausgehoben und das Kabel repariert hat, stellt er nach einer Stunde den Strom wieder an.
Im Operations Center des Gatewayadministrators in München laufen die üblichen 1.000 Fehlermeldungen eines normalen Wochentags auf. Zwei davon betreffen Smart Meter Gateways aus dieser Seitenstraße in Kleinmückersdorf:
Eines davon konnte nach dem Stromausfall nicht wieder richtig starten und ist nicht erreichbar.
Das zweite hat eine Spannungspitze beim Einschalten abbekommen, woraufhin es in den Firmware-Update-Modus gewechselt ist und auf das Einspielen einer neuen Software wartet.
Entnervt löst der Gateway-Betreuer zwei Serviceaufträge aus, die einen Monteur vor Ort schicken.
Das dritte Smart Meter Gateway hat die Funktion „Ersatzwertbildung“ aufgerufen, weil es fehlende Werte annahm, und füllt die 1 Stunde Stromausfall mit Werten auf. Das ergibt falsche Werte aber keine Fehlermeldung.

Der erste „Jail Break“ eines intelligenten Messsystems wurde bereits kurz vor dem Jahresende 2016 in einer dunklen Ecke des Internets veröffentlicht:
Jugendliche Spaßvögel schalten damit an einem Sonntag im Sommer 2018 während eines WM-Spiels der Deutschen Fußballnationalmannschaft in einem Stadtviertel den Strom bei allen intelligenten Messsystemen für 30 Minuten ab. Hunderte verärgerte Menschen sammeln sich daraufhin auf den Straßen…

ENDE

Ich wünsche Ihnen, dass Sie ein wenig Abstand vom Tagesgeschäft und Erholung in der Weihnachtszeit und über den Jahreswechsel finden.
Wenn Sie Lust auf einen humoristischen Blick auf neue Quartierskonzepte mögen, die den Stromverbrauch sichern und auch Gemeinschaft stiften, schauen Sie sich doch die Weihnachtsbeleuchtung in Yucaipa California/USA an.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2016.

0210Das Warten (auf MsbG) hat bald ein Ende,…

...denn der Referentenentwurf eines Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewiende liegt seit 21. September vor.
Mir ist nicht aufgefallen, dass die Energiewende bisher einen starken „analogen Charakter“ hatte und jetzt „digitalisiert“ werden müsste. Zumindest hat wohl auch die Bezeichnung des Gesetzespakets zur großen Begeisterung beim Verband BITKOM geführt.
Viele gehen davon aus, dass dieser Referentenentwurf ohne allzu große Veränderungen in ein Gesetz übergeht. Das jetzt anstehende Konsultationsverfahren ist sehr kurz und läuft bis Mitte Oktober. Dieses Gesetz wird dann auch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Anfang 2016 (vor Ostern) veröffentlicht werden und damit Gesetzeskraft erlangen.

Es stehen dann fundamentale Änderungen in der IT, in den Prozessen aber wohl auch in der Organisation bei Stadtwerken, Energieversorgern und insbesondere Netzbetreibern an.
Die Marktrolle des Messstellenbetreibers wird dann sehr eigenständig sein und sich sehr stark vom Netzbetrieb und der Netzwirtschaft trennen. Der „grundzuständige Messstellenbetreiber“ wird zwar zu Beginn häufig noch durch einen Netzbetreiber wahrgenommen werden. Perspektivisch wird das aber nicht so bleiben:
Die neuen Prozesse und Herausforderungen des neuen Messstellenbetriebs – insbesodnere die Funktion des Smart Meter Gateway Administrators – erfordern eine spezialisierte IT, besondere Kompetenzen und entsprechendes Personal. Diese Aufwände lassen sich betriebswirtschaftlich sinnvoll kaum bei einer geringen Zahl von Messstellen (unter 100.000 ZP) darstellen. Hier wird es schnell zu Kooperationen von Netzbetreibern kommen, die die Aufgaben des „grundzuständigen Messstellenbetreibers“ in ihren Netzen bündeln.

Der Referentenentwurf lässt sich auch so interpretieren, dass diese neuen Messstellenbetreiber die Entgelte für die intelligenten Messsysteme (Smart Meter) direkt mit den Anschlussnutzern (Endkunden) abrechnen.

Somit käme die Aufgabe einer Massenabrechnung mit Druckstraße, Forderungsmanagement und Zahlungsverkehr auf alle Messstellenbetreiber zu. Diese Aufgabe kennen und können diese aktuell noch nicht. Ob diese Abrechnung des intelligenten Messsystems über den Grundversorger oder Energielieferanten des Anschlussnutzers laufen kann (im Sinne einer „all-inclusive-Abrechnung“), ist aktuell noch nicht absehbar. Es ist auch fragwürdig, ob die Energielieferanten diese Abrechnung mit durchführen möchten, da dies faktisch als „Preiserhöhung“ durch die Kunden wahrgenommen würde.

Der Referentenentwurf bzw. das kommende Gesetz sollten genauestens analysiert und diskutiert werden, um die Auswirkungen auf das eigene Unternehmen und die Aufstellung zum Umgang mit diesen Änderungen zu ermitteln.

Es lassen sich auch schon längerfristige Entwicklungen aus diesem Referentenentwurf auslesen:

... Das SLP-Verfahren wird zunehmend in die Nische gedrängt. Die Zählerstandsgangmessung mit intelligenten Messsystemen wird schrittweise der RLM-Messung und den zugehörigen Verfahren angepasst werden.

... Die Netznutzung wird sich immer mehr auf einen Grundpreis und ggf. einen Leistungspreis verdichten. Arbeitspreise Netznutzung verlieren an Bedeutung. Die Netznutzung wird so zur „grid flat rate“.

... Die intelligenten Messsysteme werden weiter ausgerollt. Vermutlich bleibt nur ein Sockel von Entnahmestellen mit niedrigen Jahresverbräuchen und Pauschalanlagen, die keine oder nur eine sehr einfache Zähltechnik ausweisen.

... Es wird sicherlich auch Druck auf die sehr viel teurere RLM-Messtechnik geben, die nicht immer mehr leistet als die im Gesetz beschriebenen intelligenten Messsysteme mit den festgelegten Preisobergrenzen.

0507Wenn bereits Aldi mitmacht...

…ist die Energiewende und der Trend zur „Eigenversorgung“ und „Elektromobilität“ im Mainstream in der Mitte der Gesellschaft angekommen:
Aldi Süd hat die ersten von geplanten 250 Supermarktfilialen mit Photovoltaik-Zellen auf dem Dach und teilweise (50 Filialen) auch Stromtankstellen für Autos und E-Bikes eingerichtet und wird insgesamt 35 Mill. kWh pro Jahr Strom (i.W. für den Eigenbedarf) erzeugen. Noch bleiben die Stromtankstellen häufig leer, obwohl die Tankladung (Schnellladung in ca. 30 Minuten) mit Strom nichts kostet. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, dass dort häufiger Kunden ihr Fahrzeug bzw. Fahrrad für die Zeit des Einkaufs abstellen.

Update: Aldi Süd meldet auf der eigenen Website selber sogar als Ziel eine Umrüstung von 850 Filialen mit 95 MW Spitzenleistung.

Zwar wächst der Absatz an Elektromobilen in Deutschland nur sehr zaghaft, der Markt der E-Bikes explodiert im Gegensatz dazu regelrecht:
Der Absatz von E-Bikes wird 2015 voraussichtlich die 500.000er Marke durchbrechen. Hierbei stellen komfortable City-Bikes mit ca. 48% den Hauptanteil, Trekking-Fahrräder ca. 30% und 12% Mountainbikes, bei denen sich der Elektroantrieb mit sportlichem Anspruch verbindet. 5% sind Falträder oder ähnliche kompakte Modelle für Pendler und Geschäftsreisende.
Dabei liegt der Durchschnittspreis der E-Bikes deutlich über 2.000 EUR und damit sicherlich doppelt so hoch wie der Durchschnittspreis rein mechanischer Fahrräder. Von diesem Preisverhältnis kann die Automobilbranche nur träumen.

Wenn jetzt aber bereits Aldi Süd viel Geld in die Hand nimmt, um dem Trend der „Eigenversorgung“ und „Elektromobilität“ zu folgen, ist das Thema wirklich im Mainstream angekommen.
Und Aldi hat einen funktionierenden Business Case dahinter stehen… Sonst würde es das Unternehmen nicht machen:
Die Eigenerzeugung von Strom ist auch ohne EEG-Förderung wirtschaftlich, da zwar die (reduzierte) EEG-Umlage zu zahlen ist, aber nahezu alle anderen Umlagen wegfallen, die bei einem Bezug von Strom aus dem öffentlichen Netz zu zahlen sind.
Da fallen die Investitionen in die Stromtankstellen und die kostenfreie Schnellladung für Kunden kaum ins Gewicht.
Ob sich der Gesetz- und Verordnungsgeber diesen Trend, der faktisch das Umlagesystem aushöhlt, noch lange anschaut?

2205Innovationen

Man sollte durchaus mal Innovation bei Wikipedia nachschlagen:
(Zitat Wikipedia:) „Eine Erfindung ist noch keine Innovation. Erfindungen umfassen neue Ideen bis einschließlich des Prototypenbaus beziehungsweise konkreter Konzeptentwicklung in der vormarktlichen Phase.
Von Innovation im ökonomischen Sinne kann erst gesprochen werden, wenn ihre Nützlichkeit erkannt und ein Produkt, Produktionsprozess oder ein Geschäftsmodell entsprechend neu eingeführt oder verändert wird.“

In der Energiewirtschaft waren Innovationen lange nicht wesentlich und wurden auch nicht gefördert. In einer Zeit, in der etablierte Geschäftsmodelle reihenweise nicht mehr greifen, bekommen Innovationen und das Innovationsmanagement aber eine neue zentrale Bedeutung – auch und gerade in der Energiewirtschaft.
Hier sollte man auf manch ein amerikanisches Unternehmen schauen:


Selbstfahrende Autos
Ein großes Trendthema sind selbstfahrende Autos. Deutschland war hier in der Forschung und Entwicklung lange Jahre führend und brachte erste Konzeptfahrzeuge auf Teststrecken. Da der rechtliche Rahmen im Straßenverkehr (Haftung, Versicherung…) bis heute unklar ist, wurde „im stillen Kämmerlein“ weiter geforscht und entwickelt, ohne dass mit Druck eine Markteinführung angegangen wurde.

Erst der Eintritt amerikanischer Konzerne wie Google und vermutlich auch bald Apple brachte Bewegung in den Bereich der selbstfahrenden Autos. Der durch Google und Apple ausgelöste Druck wird – da bin ich mir sicher - recht schnell für eine Anpassung der Gesetze bzw. der Straßenverkehrsordnung sorgen:

Innovationen können also den notwendigen Markt auch erst erschaffen und die Veränderung des Gesetzesrahmens beeinflussen. Das funktioniert nicht immer, es lohnt sich aber den Mut aufzubringen! Und natürlich haben es Großkonzerne wie Apple und Google da einfacher.


„Powerwall“
Ein weiteres Beispiel ist das Powerwall getaufte Produkt von Tesla mit Vertriebsunterstützung in Deutschland durch Lichtblick.
Sogar der business case der „Powerwall“ scheint plausibel zu sein. Stromspeicher für den Einsatz in Einfamilienhäusern (auch in Kombination mit PV-Anlagen und/oder Heizungsanlagen) gab es in Deutschland aber bereits seit Langem.
Und die Marktmöglichkeiten und Geschäftsmodelle für Speicher werden seit Jahren vielfältig in Deutschland diskutiert. Die renommierte „Energie & Management“-Zeitung kooperiert sogar mit dem BVES, damit das Thema Speicher im Stromnetz in Deutschland mehr Beachtung findet.

Nur hat es keiner der Anbieter geschafft, auch nur annähernd so viel Beachtung und Medienecho zu erzeugen:
Tesla wirft einfach die Marktmacht und die gefüllten Kassen der Gesellschafter auf dieses Thema und hat in kürzester Zeit das Produkt „Powerwall“ weltweit an den Markt gebracht. Es liegen wohl schon knapp 40.000 Vor-Bestellungen in den USA vor.

Wahrscheinlich hat Tesla „Powerwall“ auch deshalb an den Markt gebracht, um den Absatz aus der eigenen gigantischen und milliardenteuren Akku-Fabrik zu sichern.

Da muss die deutsche Energiewirtschaft natürlich zunächst kleiner anfangen.
„Die Kombination von einem intimen Kundenverständnis und digitalem Know-how ist eine gute Basis für die Gestaltung neuer Geschäftsmodelle.“
„Die DNA bzw. Unternehmenskultur der Energieversorger im Punkt Innovationsmanagement muss sich ändern: Energieversorgern fehlen häufig noch die organisatorischen Voraussetzungen und die Managementmentalität neue Geschäftsmodelle zuzulassen. Aus diesem Grund werden beispielsweise Start-ups gegründet, die eigenständig und flexibel agieren können. Auf diese Weise haben neue Ideen bzw. Geschäftsmodelle einen kreativen Freiraum.“
(Zitate: Utility Executive Circle März 2015)


In allen drei Bereichen (intimes Kundenverständnis, digitales Know-how und Unternehmenskultur) können EVU sich entwickeln, um Innovationskraft zu gewinnen. Das ist ein langwieriger Prozess, der sich auf der Seite der Gesellschafter der EVU entscheidet: Dies sind häufig Kommunen und Städte, die Innovationen bei ihrem EVU bisher nicht gewohnt waren.

In einem stark regulierten Energiemarkt – das ursprüngliche Ziel der Wettbewerbsöffnung tritt ja seit Jahren ggü. dem Ziel der CO2-Reduzierung zurück – kommt ein weiterer Aspekt hinzu:
Es ist im Prinzip auch „innovativ“ eine neue Chance, die sich aus Änderungen des gesetzlichen oder regulatorischen Rahmens ergeben hat, für neue Produkte und Dienstleistungen zu nutzen. Viele IT-Anbieter, Dienstleister und auch Berater leben von diesen Möglichkeiten.

Die Steigerung der Innovationskraft ist ein dringender Schritt zur Zukunftssicherung der EVU. Dabei muss der Kunde stärker in den Fokus gesetzt werden, aber insbesondere die Unternehmenskultur sich weiter entwickeln. Neue Möglichkeiten aus der Digitalisierung und aus Big Data stehen zur Verfügung. Wenn sich dann noch die Gesellschafter überzeugen lassen, steht einem Erfolg nichts mehr im Wege?

0203Veränderungsprozesse...

Der Strategieschwenk der E.ON hat auch mich – wie viele andere sicherlich auch - in dieser Deutlichkeit überrascht. Bemerkenswert war auch die interne Vorbereitung und erfolgreiche Geheimhaltung im Vorfeld der Veröffentlichung.

Doch welche Erwägungen und Ziele stecken dahinter? Wie können und sollten andere EVU und Stadtwerke reagieren?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass auch innerhalb eines Konzerns Geschäftsfelder mit unterschiedlichem Wachstumspotenzial und unterschiedlicher Ausrichtung erfolgreich betrieben werden können.
Die klassischen “Mischkonzerne“ wie GE, SIEMENS, ABB, 3M, TATA, SAMSUNG oder auch Haniel sind sehr erfolgreich am Markt positioniert. Natürlich werden in diesen Mischkonzernen auch Geschäftsfelder abgestoßen, umgekrempelt oder neu aufgenommen. Von einer Aufspaltung eines Konzerns, weil sich Geschäftsfelder untereinander grundsätzlich anders entwickeln und von anderen Rahmenbedingungen geprägt sind, hatte ich dabei allerdings noch nie gehört.

Folgende Begründung nennt. Dr. Leonhard Birnbaum (Vorstand E.ON) für die Entscheidung zur Aufspaltung:

„Schon länger erleben wir, dass unsere Geschäfte von sehr unterschiedlichen Werttreibern und Chancen, Denkweisen und Fähigkeiten geprägt sind.
Aber bisher haben wir gedacht, dass man diese Unterschiede überbrücken kann und dass ein breites Portfolio langfristig mehr Wert schafft.
Doch es wird zunehmend schwieriger, diese extrem unterschiedlichen Kulturen unter einem Dach zu vereinen, um sowohl in der neuen als auch in der klassischen Energiewelt erfolgreich zu sein und wieder wachsen zu können.“

(Quelle: Handelsblatt)

E.ON dürfte sich Stand heute natürlich nicht als Mischkonzern verstehen und scheint dieses Geschäftsmodell offensichtlich auch nicht anzustreben. Für andere Energieunternehmen könnte aber die Aufstellung als Mischkonzern – also die Ausprägung verschiedener Geschäftsfelder mit unterschiedlichen Märkten, Kunden, Wachstumspfaden und Strategien – ein strategisches Ziel werden.
Die von vielen als kommende Geschäftsfelder für Energieunternehmen erwartete Themen wie E-Mobilität, Smart Home, Smart Grid, Energieeffizienz, Energiedienstleistungen und technische Services sind durchaus teilweise völlig voneinander abweichende Bereiche mit eigenen Rahmenbedingungen.
Ein Stadtwerk, welches alles diese Geschäftsfelder bedienen möchte, ist dann quasi bereits ein „Mischkonzern“.

Ein wesentlicher Hintergrund der E.ON-Entscheidung dürfte aber – und so interpretiere ich die Aussagen von Dr. Birnbaum - gerade der „Faktor Mensch“ sein:
Um die aktuellen Herausforderungen und den Veränderungsprozess anzugehen, müssen gerade im mittleren Management die Führungskräfte mitgenommen werden. Die vorherige eher wenig griffige E.ON-Strategie hinterließ bei vielen Führungskräften der unteren Ebenen das Gefühl der Perspektivlosigkeit und Desorientierung. Es war nicht klar, wie E.ON in Deutschland in Zukunft Geld verdienen wollte und Werte schaffen kann.

Nun fällt es Menschen grundsätzlich nicht einfach radikale Veränderungsprozesse mitzugehen oder diese gar aktiv zu gestalten. Entscheidend für den Erfolg einer grundlegenden Neuausrichtung eines Unternehmens ist dabei gerade das mittlere und untere Management in einer Organisation, also die Führungsebene, die meistens außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung den internen Wandel tragen muss.
Diese Führungsebene ist bei der Strategieentwicklung des Top-Managements meistens nur am Rande involviert oder wird gar nur im Nachhinein „informiert“: „So, jetzt setzt das mal bitte um…“. Gleichzeitig ist sie aber das entscheidende Verbindungselement bei der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung eines Veränderungsprozesses zu den Mitarbeitern. Nur die mittlere und untere Führungsebene können die Mitarbeiter erreichen, um dort Akzeptanz und Unterstützung für den Veränderungsprozess zu erreichen.
Um die anstehenden Veränderungen bei E.ON jetzt zu einem Erfolg zu führen, schien die Aufspaltung – und damit eine klare „Zwei-Säulen-Strategie“ – eine gute Option zu sein, die neben den Ansprüchen der Anteilseigner auch den Mitarbeitern eine klare Entscheidung abverlangt:

Gehe ich (als Mitarbeiter, Führungskraft…) in die neue Energiewelt oder bleibe ich in der klassischen Energiewelt?

Nur der Anteilseigner von E.ON bekommt zwangsweise beide Welten anteilig ins Portfolio.
Ein geschickter Schachzug, der anderen Unternehmen und auch Konzernen eher verschlossen bleiben wird. Es verbleibt für andere Unternehmen der Energiewirtschaft (EVU und Stadtwerke) nur der Weg in die neue Energiewelt und damit der Aufbau der neuen Geschäftsfelder ergänzend zu den „klassischen“ Geschäftsfeldern - also ein bisschen mehr "Mischkonzern" zu werden.
Das muss aber kein schlechter Weg sein…

2401Gedanken zur E-World-Messe in Essen

Jetzt kommt wieder das große Schaulaufen der Energiewirtschaft: Die E-World-Messe in Essen Anfang Februar. Die Hotels sind lange ausgebucht, viele Termine sind vereinbart und die Suche nach der besten Standparty hat begonnen.
Foto: E-world energy & water GmbH Fotograf Rainer Schimm

Was wird das große Thema der Messe sein?

Es wird laut Veranstalter einen großen Smart-Energy Bereich geben; die inflationäre Nutzung des Wortes „Smart“ geht also weiter.
Ich meine, dass es den Bereich „Smart Energy“ schon 2012, 2013 und 2014 gab.
In diesem Jahr wird das Thema „Smart-Energy“ allerdings um das „Forum Energiewende“ erweitert, irgendwie hängt das ja auch zusammen, oder?
Sicherlich werden die laufenden Diskussionen um das zukünftige Marktmodell, der mögliche Kapazitätsmarkt, die Zukunft der konventionellen Kraftwerke, die richtige Strategie (siehe die E.ON-Entscheidung) und neue Geschäftsmodelle die Gespräche an den Ständen bestimmen.

Der Sinn einer klassischen Messe ist es ja, dass sich Anbieter und Nachfrager austauschen und Geschäfte anbahnen können. Ich habe das Gefühl, dass dies auf der E-World zunehmend in den Hintergrund gerät.
Die Messe wird viel eher dafür genutzt, bestehende Geschäftsbeziehungen zu pflegen und sowieso für Januar und Februar sowieso geplante Geschäftstermine auf die Messe zu legen. Natürlich philosophiert man reihum auch mit Wettbewerbern über die Zukunft der Energiewirtschaft und die Energiepolitik.

Eine Verkaufsmesse sieht eigentlich anders aus.

So wird auch der Umfang der auf der Messe abgeschlossenen Geschäfte nicht genannt. Bei anderen Messen eine Selbstverständlichkeit und eine zentrale Marketinginformation.
Es geht also eher um Repräsentation und Darstellung, was ja zunächst nicht zu kritisieren ist. Die klassische Geschäftsanbahnung findet dann eher in den Nebenbereichen statt, in denen EVU und Stadtwerke Auftraggeber sind und Dienstleistungen und „Waren“ nachfragen, also:
Energiehandel, Beratung, IT-Dienstleistungen, Personaldienstleistungen, Kooperationsplattformen, technische Dienstleistungen, Zähl- und Messtechnik usw...

Ich freue mich in jedem Fall auf die Messe, die vielen Kontakte und Gespräche und neue Anregungen... und natürlich Geschäfte!

0701Ein neues Jahr beginnt...

Nun haben wir alle Energiespartipps zu Weihnachten und Sylvester befolgt, auch wenn sich die Energiewirtschaft über mehr Stromverbrauch (=Umsatz) gefreut hätte. Das Wetter in diesem Winter bleibt zunächst warm, was auch den Gasverbrauch nicht richtig befeuert.

Was steht der Energiewirtschaft in 2015 sonst noch bevor?

Ich habe selber privat mal wieder den Strom- und Gaslieferanten gewechselt und merke zunehmend mehr Kundenorientierung in den vertrieblichen Abläufen, aber noch viel zu viel Bürokratie und Komplexität, die ein „Normalkunde“ nicht versteht. Die Ursache liegt hier natürlich im Wesentlichen beim Gesetz- und Verordnungsgeber. Trotzdem bekomme ich aus dem Freundeskreis immer wieder mit, dass eigentlich niemand mehr eine normale Energieabrechnung versteht.

Auch 2015 soll jetzt endgültig (wie es bereits in 2014 und 2013 hieß) das Jahr werden, in dem der deutschlandweite Roll-Out von Smart Metern starten soll. Vielleicht wird ja die MSysV in den nächsten Monaten verabschiedet, womit das Warten auf diesen wichtigen Eckpfeiler ein Ende hätte.

Der Betrieb „Kritischer Infrastruktur“ wird in 2015 gesetzlich neu geregelt:
Das IT-Sicherheitsgesetz wird bei Strom- und Gasnetzbetreibern für Veränderungen und Neuaufstellungen des IT-Bereichs sorgen. In Zeiten zunehmender IT-Kriminalität und Angriffen sogar auf KKW-Leitwarten ein sicherlich notwendiger und wichtiger Schritt.

2015 wird ein Jahr mit nur sehr wenigen Wahlen in Deutschland, während 2016 in verschiedenen Bundesländern neu gewählt wird und 2017 mit der Bundestagswahl, der Wahl des Bundespräsidenten und weiteren drei Länderwahlen ein „Superwahljahr“ ansteht.
Darauf wird sich die Politik einstellen, so dass in 2015 noch pragmatische und konstruktive Vorgehensweisen des Gesetzgebers möglich scheinen, während im Laufe von 2016 die anstehenden Wahlkämpfe immer mehr das politische Geschehen prägen werden.
Sicherlich wird auch die Beeinflussung der Höhe des Strompreises über verschiedene regulatorische Hebel ( Auflösung von Puffern im EEG-Konto?) spätestens für 2016 in den Fokus der Politik geraten.

Auch das Thema „Rekommunalisierung“ bzw. die Neugründung kommunaler Netzbetreiber im Rahmen von Neuausschreibungen von Konzessionen wird 2015 zum Höhepunkt kommen. Die weiteren Schritte in Hamburg, in Berlin (mit erheblichen politischen Konflikten und Verzögerungen in der Ausschreibung) und Stuttgart, aber auch in vielen kleineren Kommunen werden für Gesprächsstoff sorgen.
Das Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts) zu Titisee-Neustadt kann noch für erheblichen Wirbel sorgen und diverse Ausschreibungen nichtig werden lassen. Über den volkswirtschaftliche Sinn des Konzessionswettbewerbs lässt sich ja auch trefflich diskutieren, die politischen Ziele dahinter sind natürlich klar. In jedem Fall ist eine Neubewertung des dehnbaren Begriffs der Daseinsvorsorge unter den heutigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sehr sinnvoll.
Es bleibt aber ein Fakt, dass die Effizienz eines Netzbetreibers gerade in den kaufmännischen Abwicklungsprozessen (Bilanzierung, EEG, GPKE/GeLi Gas, MaBiS, GaBi Gas, Marktkommunikation, Netzabrechnung…) mit zunehmender Zahl der ZP schnell steigt.
Umgekehrt ist es sehr schwierig alle komplexen Abwicklungsprozesse auf einer guten IT-Plattform nur für wenige ZP abzuwickeln: Es ist sehr schwierig die erforderlichen Kompetenzen im Unternehmen aufzubauen und zu sichern, und die Kosten pro ZP steigen exorbitant.

2015 wird noch nicht das Jahr, in dem für die Energiewirtschaft ein neuer stabiler Rahmen den Markt bestimmt und Klarheit für Investitionen und strategische Entscheidungen liefert. Vielmehr wird sich der regulatorische und gesetzliche Rahmen weiter schrittweise verändern und auch die europäischen Entwicklungen und der internationale Klimaschutz an Einfluss gewinnen.
Nach dem ersten Schritt der E.ON werden weitere Unternehmen der Energiewirtschaft ihre Geschäftsmodelle radikal ändern müssen, um in Zukunft am Markt zu bestehen.

0112Ausblick zum Jahresende

Ein Ausblick zum Jahresende:
Weihnachten ist die Zeit, um zurückzuschauen, aber auch die Zeit für einen Ausblick auf die wichtigsten Themen in 2015, denn aktuell bewegen zentrale und grundlegende Dinge die Politik und die Energiewirtschaft:

Vattenfall wird wohl in 2015 den Ausstieg aus der Braunkohle beschließen. Ob ein Verkauf der Braunkohleverstromung in Ostdeutschland erfolgt, oder gar eine Art Abwicklung, kann zurzeit noch nicht abgesehen werden.
Dies setzt die deutsche Politik unter starken Druck: Braucht Deutschland eine heimische „strategische“ Energiereserve, wie es faktisch nur die Braunkohle darstellt? Muss dann nicht der Betrieb der Braunkohleverstromung zentral in eine Hand gelegt werden? Dafür wäre RWE als zweiter Braunkohleverstromer ein möglicher Käufer, der zumindest nach meiner Kenntnis aber keine Bestrebungen zeigt, diese Rolle zu übernehmen. Es scheint sich auch die MIBRAG darum zu bemühen.

Wenn die Kapazität der konventionellen Kraftwerke zunehmend weniger benötigt wird (weitere Verdrängung durch regenerative Einspeisungen), wie kann dann eine Verkleinerung des Kraftwerkparks erfolgen? Soll die Politik auf die Wirkung der Marktmechanismen warten? Oder kann die Politik die Stilllegung von Kraftwerken fordern, ohne dass eine Art „Enteignung“ stattfindet?

Wird gar ein schrittweiser Ausstieg aus der Kohleverstromung (auch Steinkohle) kommen, um die Verkleinerung der Kraftwerkskapazität zu Gunsten moderner GuD-Kraftwerke zu beeinflussen und gleichzeitig die deutschen CO2-Ziele zu erreichen? Wie spielt das Ganze mit dem laufenden Findungsprozess eines neuen Marktmodells (Stichwort „Kapazitätsmarkt“) zusammen? Erst langsam zeichnen sich die Vorstellungen des Bundeswirtschaftsministeriums dazu ab.

Da ist die Verdopplung der bisherigen Planzahlen zur Menge an Atommüll, der endgelagert werden muss, schon fast als Nebenthema auch noch zu nennen. Der Schacht Konrad ist bereits zweifach „überbucht“. Die verstrahlten Möwen von Sellafield lassen da auch für Deutschland Böses ahnen.
Dass auch die MSysV (siehe unten, ein erster Entwurf könnte im Dezember vorliegen) in 2015 erwartet wird, voraussichtlich eine EnWG- und auch EEG-Reform ansteht, gerät dann fast zur Fußnote, obwohl diese auch einen erheblichen Einfluss entwickeln wird.

Wenn Sie Lust auf einen humoristischen Blick auf den Strompreis in 2072 haben, hat die Satiresendung Extra3 des NDR den Beitrag Opa erzählt vom Strom veröffentlicht.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2015.

2810Umlagen, Umlagen, Umlagen...

Die Zahl der Umlagen in der Sparte Strom nimmt ständig zu. Auch entwickeln sich diese Umlagen auf Grund der zugehörigen „Zahlungsströme“ in sehr unterschiedlicher und kaum vorhersagbarer Form.
In dieser Tabelle (zum Vergrößern bitte klicken) habe ich für die letzten Jahre die wichtigsten Umlagen aufgeführt, die in der Sparte Strom zur Anwendung kommen. Als Beispielfall wurde ein Standard-Haushaltskunde angenommen; für andere Kundengruppen gelten teilweise andere Höhen der Umlagen.

Die Einnahme, Auszahlung, Kontierung, Weiterleitung, Testierung, Korrektur, Neuberechnung, Prognose und buchhalterische Berücksichtigung beschäftigt bei Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern und auch Stromlieferanten immer mehr Personal.

Die Vielfalt und Komplexität der Umlagen selber und der dahinterliegenden Abläufe schaffen ein großes Maß an Verunsicherung. Und diese Umlagen finden sich (in Teilen) auf den Stromrechnungen an den Endkunden…
Gibt es noch Kunden und „Otto-Normal-Verbraucher“, die diese Umlagen verstehen?

2610Morgen ist es zu spät...

Die Szenarien, die Marc Elsberg in seinem Roman „Blackout“ beschreibt, sind vielleicht auch ein Grund, weshalb der Gesetzgeber im Rahmen der Digitalen Agenda das Thema Kritische Infrastruktur (KRITIS) und IT-Sicherheit weiter vorantreibt.
Marc Elsbergs Roman-Thesen haben sich schon mehrfach in der Realität als treffend erwiesen.
Beispiele: Gehackte Smart Meter in Puerto Rico, Manipulationen der Firmware von Smart Meter und ein Open Source Hacking Framework namens „Termineter“ zum Download…
Ein Referentenentwurf zum IT-Sicherheitsgesetz liegt nun vor. Wenn dieses Gesetz kommt, wird es erhebliche Umsetzungsmaßnahmen bei allen Netzbetreibern (und auch anderen Betreibern Kritischer Infrastruktur) nach sich ziehen.
Neben IT-technischen und organisatorischen Maßnahmen sind insbesondere ein Umdenken der verantwortlichen Personen und das Hinterfragen vieler Gewohnheiten und üblicher Vorgehensweisen nötig, denn das größte IT-Sicherheitsrisiko sitzt immer vor dem Bildschirm. Auf die Umsetzung des Gesetzes sollten sich alle Netzbetreiber frühzeitig und mit einem „langen Atem“ vorbereiten.

Wie leicht das Eindringen in das IT-Netz eines Stadtwerks ist, hatte ich weiter unten (12/04 "Als er anrief, war meine Resthoffnung dahin, dass man das vielleicht doch nicht schafft") beschrieben.

Für den Fall eines größeren Blackouts bereiten die Netzbetreiber die notwendigen Krisenmaßnahmen vor und ergänzen die bestehenden Notfallpläne:
Die Übertragungsnetzbetreiber verhandeln den „Network Code on Emergency and Restoration (NC ER)“ auf transnationaler Ebene im Rahmen der ENTSO. Die Verteilnetzbetreiber bilden Experten-Runden (Beispiel: Workshop-Reihe Krisenmanagement der MITNETZ STROM), um sich auf die notwendigen Maßnahmen im Falle eines Blackouts vorzubereiten und arbeiten dabei neben den öffentlichen Krisenkräften auch gerade mit der Industrie zusammen, um die Kommunikation und Treibstoffversorgung für die Bevölkerung aufrecht erhalten zu können.

Ich habe jetzt immer ein paar Flaschen Wasser und Konserven mehr im Keller und weiß, wo die Taschenlampen und Kerzen im Haus liegen.

0110...warten auf MSysV...

Das Thema des Roll-Outs von Smart Meter oder genauer die Umsetzung des §21 EnWG zu intelligenten Messsystemen harrt weiter einer Klärung. Der ursprünglich erhoffte Nutzen aus dem deutschlandweiten Einbau von elektronischen Zählern scheint zunehmend fraglich. Auf SPIEGEL ONLINE ist dazu ein interessanter Artikel erschienen.
Ob die Betreiber der Verteilnetze für die bessere Ausregelung der Netze flächendeckende Smart Meter überhaupt benötigen, ist auch fragwürdig:
Eine durchgehende Messung der dezentralen Einspeisung und einzelne Smart Meter an wichtigen Verteilungspunkten im Stromnetz dürften dafür ausreichen. In Gasnetzen, für die §21 ja ebenfalls mit Einschränkungen gilt, brauchen die Netzbetreiber einen flächendeckenden Roll-Out für Smart Grids noch weniger.
In dieser Studie der Bundenetzagentur aus dem Jahre 2009 wird der Nutzen lastvariabler Tarife (ein weiterer aufgeführter "Nutzen" aus der flächendeckenden Einführung) bereits in Frage gestellt. An der Analyse dürfte sich bis heute nichts geändert haben.
Dem stehen auch auch die Kundenwünsche und Kundenerwartungen entgegen, die schon im Bereich Smart Home kaum zu den existierenden und angedachten Angeboten passen.
Ein interessantes Beispiel ist eine neue Siedlung in Norderstedt. Dort werden viele innovative Konzepte in der Neubausiedlung Ossenmoorring umgesetzt, allerdings scheinbar ohne mit den Kunden (Bauherren) richtig zu reden, oder diese ausreichend einzubinden.

Mit nur wenig echtem Kundennutzen und geringer technischer Notwendigkeit, aber verbunden mit hoher Komplexität und erheblichen zu erwartetenden Kosten wird die Einführung der Smart Meter ein schwieriger Prozess, auch wenn die Messsystemverordnung wohl in 2015 dann verabschiedet wird.
Warten auf MSysV... Ein zunehmend absurdes (und teures) Theater...

0509Die Realität überholt die Spekulation

Im letzten Artikel hatte ich über die Zukunft der konventionellen Kraftwerke spekuliert. Die Realität holt meine Spekulation jetzt im Sauseschritt ein: Alle großen Konzerne, allen voran RWE, haben umfangreiche Stillegungsprogramme von Kraftwerken angekündigt.
Inzwischen positioniert sich die RAG Mining Solutions als Second-Hand-Plattform für deutsche Kraftwerke. Das aktuelle Verkaufsprospekt erlaubt mit etwas Fantasie den Rückschluss auf das eine oder andere stillgelegte deutsche Kraftwerk.
Die Unmöglichkeit einer exakten Prognose der Entwicklung der EEG-geförderten Einspeisung zeigt sich wieder dieser Tage. Während auf der offiziellen Plattform der Übertragungsnetzbetreiber zur EEG-Einspeisung gemäß gesetzlicher Vorgabe Prognosen zur Entwicklung der EEG-Einspeisung veröffentlicht werden (müssen), konterkariert die tatsächliche Entwicklung alle diese Angaben. Das EEG-Konto "erwirtschaftet" Überschüsse. Die genaue Höhe des EEG-Zuschlags für 2015 ist heute reine Spekulation.

Die Kristallkugel kann zur Zeit mal wieder aus dem Schrank geholt werden…

1706Was wäre, wenn... (eine kleine Spekulation)

Durch den fortschreitenden Ausbau der regenerativ betriebenen und meist dezentralen Energieerzeugungsanlagen und deren „Vorfahrt“ im Netz werden verschiedene gravierende Effekte ausgelöst, die den Energiemarkt massiv beeinflussen:
...Veränderung der Energieflüsse im Netz (und damit der Druck zum Netzausbau),
...sinkende Strompreise (bis zu negativen Preisen in Spitzenzeiten) an der Börse,
...stark verringerte Betriebsstunden konventioneller Kraftwerke,
...Stopp bzw. stark gefährdete Wirtschaftlichkeit verschiedenster laufender Kraftwerksprojekte vom Pumpspeicherkraftwerk bis zum hocheffizienten GuD-Kraftwerk sowie Anträge zur Kraftwerksstilllegung bei der BNetzA.
Dies war auch ein diskutiertes Thema auf der letzten utec-Veranstaltung. Die ZfK meldet dazu aktuell, dass im 1. Quartal 2014 die Bruttostromerzeugung aus Steinkohle um 17,4%, die Bruttostromerzeugung aus Gas um 19,7% und aus Braunkohle um 4,8% zurückgegangen ist.
Was wäre aber, wenn… (spekulieren sei erlaubt)... konventionelle Kraftwerkskapazität in erheblichem Umfang (also weit über das Maß der bei der BNetzA zur Stillegung bei der BnetzA angemeldeten Kapazität hinaus) vom Markt genommen würde? Also kurz gesagt, die großen Kraftwerksbetreiber „freiwillig“ Kraftwerke im großem Umfang stilllegen würden?
Ginge dann nicht der Strompreis an der Börse (Reduktion des Angebots) wieder in die Höhe, ohne dass unbedingt der Endverbraucher zusätzlich belastet würde, weil die EEG-Umlage ggf. zurückgehen könnte? Auch würden die konventionellen Kraftwerksbetreiber ihre verbleibenden Kraftwerke zu einem höheren Preis und mehr Betriebsstunden im Jahr laufen lassen können und würden ggf. sogar höhere Umsätze erzielen? Natürlich müsste das Ganze im Übertragungs- und Verteilnetz abgefangen werden und die Verteilung der Energie trotzdem funktionieren. Auch dürfte es nahezu unmöglich sein, dass Vorstände von Aktiengesellschaften aber auch Stadtwerke-Geschäftsführer so eine Vernichtung von Unternehmenswerten zustimmen (dürfen), ohne dass diese sich haftbar machen.
Eine Steuerung oder gar Vorgabe dieser Stilllegungsmaßnahme durch den Staat würde wohl den Tatbestand der Enteignung erfüllen (ich bin allerdings kein Jurist).
Trotzdem ist dies doch eine interessante Überlegung. Vielleicht gibt es bald viele Wunderländer

0805Kerngeschäft, Arbeitsteilung und Outsourcing in der Energiewirtschaft

Die Energieunternehmen, oder wie damals noch durchgängig benannt: „Energieversorgungsunternehmen“, hatten sich bis vor 10 Jahren kaum mit den Chancen aus einer unternehmensübergreifenden Arbeitsteilung, mit dem Begriff des Kerngeschäfts oder gar mit Outsourcing auseinander gesetzt.
[Bild: von R_K_by_Karin Jung_pixelio.de]
Es gab zwar schon Dienstleistungsbeziehungen, die aber überwiegend durch gesellschaftliche Verflechtungen entstanden sind:
Ein Konzern hielt Anteile an einem Stadtwerk, also „musste“ der Netzbetrieb oder die Abrechnung durch den Konzern dienstleistend erbracht werden. Ein Stadtwerk sollte spartenübergreifend die Abnehmer versorgen, also wurde das fehlende Netz (z.B. Strom) über einen Vertrag vom Konzessionär gepachtet. Kraftwerksbeteiligungen wurden mit Gesellschaftsanteilen „verrechnet“. Grundversorgungskunden gegen Beteiligungen getauscht usw. Hintergrund und Motivation hinter diesen Verbindungen war im Wesentlichen nicht betriebswirtschaftliche Notwendigkeit oder gar Optimierung, sondern eher die Veränderung von Machtverhältnissen in einem monopolähnlichem Markt. Natürlich gibt es immer noch diese Beweggründe bei Outsourcingvorhaben, Kooperationsgründungen und Dienstleistungsbeziehungen. Schrittweise entwickeln sich aber die wirtschaftliche Optimierung, die Schaffung von win-win-Situationen und die Effizienzsteigerung durch Arbeitsteilung zu den primären Beweggründen. Die Energiewirtschaft ist damit immer noch Jahre bis Jahrzehnte vom Entwicklungsstand anderer Branchen entfernt.

Genannt sei hier die Telekommunikation, in der jede Teil-Dienstleistung von optimierten Dienstleistern beschafft und erbracht werden kann, und die großen Unternehmen immer wieder neu ausloten, was genau noch das Kerngeschäft z.B. eines Mobilfunkanbieters ist. Jeder Supermarkt, jede Drogeriekette und jeder Kaffeevertrieb bieten inzwischen einen Mobilfunktarif an, der im Hintergrund als „white-label“-Produkt von entsprechend aufgestellten Dienstleistern abgewickelt wird.

Ein anderes Beispiel ist die Automobilindustrie, in der längst einerseits ganze (Teil-)Autos von Zulieferern oder Kooperationen von Zulieferern, die wiederum Sub-Zulieferer einsetzen, eigenständig entwickelt und produziert werden, andererseits große Autokonzerne zentrale Komponenten wie Motoren gemeinsam entwickeln und produzieren lassen. Die großen Autofirmen definieren ihr Kerngeschäft überspitzt dargestellt in einer optimierten Vertriebs- und Marketingmaschinerie mit angekoppelter Entwicklungsabteilung und einer gut funktionierenden Zulieferersteuerung. Die Energiebranche ist davon noch weit entfernt, wohl auch, weil der wirtschaftliche Druck noch zu gering ist. Diese Entwicklungen wird es aber auch in der Energiewirtschaft geben (müssen).

Die ersten Anzeichen gibt es:

Die Marktrolle des Smart Meter Gateway Administrators im Rahmen des Roll-Outs intelligenter Messsysteme (Smart Meter) lässt sich nach mehreren Analysen erst ab einer großen Zahl von ZP wirtschaftlich betreiben. Die Zahl der ZP, ab der sich diese Marktrolle wirtschaftlich überhaupt erst abbilden lässt, schwankt je nach Autor der Analyse zwischen 100.000 ZP und 1.000.000 ZP.
Sicher ist nur, dass bei einer Einbaugrenze von 6.000 kWh, wie diese aktuell gilt, kaum ein Netzbetreiber auch nur auf 100.000 intelligente Messsysteme am Ende des Roll-Outs innerhalb seines eigenen Netzes kommen wird.

Im Rahmen der Kommunalisierung der „Westfalen-Weser-Netz AG“ und der „EAM Energie aus der Mitte AG“ (beides ehemals E.ON-Gesellschaften) fanden Ausschreibungen der energiewirtschaftlichen Services statt, die bisher durch den E.ON-Konzern erbracht wurden:
Plötzlich gibt es eine Nachfrage nach Dienstleistern, die mehrere hunderttausend ZP bis zu einer Million ZP für einen Netzbetreiber abwickeln können. Die Nachfrage wird sich so auch einen Markt schaffen, bzw. die Weiterentwicklung der Dienstleister forcieren.
Die Dienstleister selber können dabei zunehmend auf IT-Systeme zugreifen, die die zwar komplexen aber immer stärker regulierten und damit standardisierten Prozesse auch effizient abbilden können. Auch die IT-Anbieter selber verändern sich zunehmend und bieten Entwicklungsplattformen, Application Service Providings und auch Prozessdienstleistungen an.

Somit entwickelt sich das Angebot aber auch die Nachfrage zu Angeboten für Business Process Outsourcing (BPO) stetig weiter und wird immer mehr ein zentraler Erfolgsfaktor im Energiemarkt.
Ein häufiges Hindernis bleibt das erforderliche Vertrauensverhältnis und die systembedingte „Abhängigkeit“ zwischen Auftraggeber und BPO-Dienstleister. Hierfür wird es weitere positive und erfolgreiche Beispiele der Zusammenarbeit geben, die die Entscheider in der Energiewirtschaft als „Leuchtturm“-Projekte weiter für BPO öffnen werden.

1204»Als er anrief, war meine Resthoffnung dahin, dass man das vielleicht doch nicht schafft!«

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT N° 16 / 2014 und auch in der aktuellen Ausgabe des c't magazin für computertechnik Ausgabe 9/2014 wird der gezielte Penetrationstest der IT-Sicherheit in einem deutschen Stadtwerk beschrieben.
Ein Profi-Hacker einer Sicherheitsfirma brauchte zwei Tage, bis er Zugriff auf die Steuerung der Leitwarte des Stadtwerks erlangte. Dann rief der den Geschäftsführer des Stadtwerks an. Die Reaktion auf den Anruf sehen Sie in der Überschrift zu diesem Artikel.
Der Penetrationstest wurde im Rahmen der TV-Dokumentation Netwars-Krieg im Netz durchgeführt, die auf ARTE am 15. April um 20:15h zu sehen ist.
Beide Artikel sind sehr lohnenswert, wobei in der Computerzeitschrift c't umfangreich auf die verwendeten Techniken und Vorgehensweisen eingegangen wird. Interessant ist aber auch, dass sowohl in der ZEIT aber auch in der c't dargestellt wird, welche typischen Fehler in der Netzwerk- und IT-Konzeptionierung und auch gerade in der personellen Ausstattung des IT-Bereichs gemacht werden, die Angreifern "Tür und Tor" öffnen.

3103Osterüberraschung?

Ostern steht vor der Tür. Die versprochene Klarheit im regulatorischen und gesetzlichen Rahmen ist leider noch nicht absehbar.
Die Diskussionen über eine Neufassung des EEG, mit dem Ziel die weitere Steigerung des EEG-Zuschlags zu begrenzen und für den weiteren Ausbau der regenerativen Erzeugung die richtigen Anreize zu setzen, läuft zwar auf Hochtouren weiter. Sondersitzungen z.B. zwischen den Ministerpräsidenten der Länder und dem Bundeswirtschaftsministerium werden einberufen, selbst die Kanzlerin schaltet sich ab und zu in die Diskussion ein und die Gespräche mit der EU über die Ausnahmeregelungen EEG für die energieintensive Industrie gehen voran.
Doch ist ein wenn auch sehr intensiv geführter politischer Prozess noch kein verlässlicher und belastbarer Rahmen für die Unternehmen, die dringend diese Klarheit benötigen.
Aktuell werden ganze Kraftwerkparks zur Abschaltung bzw. Stillegung bei der Bundesnetzagentur angemeldet. E.ON nimmt ein Atomkraftwerk sogar früher als es das Gesetz dazu vorsieht vom Netz, weil der Weiterbetrieb nicht wirtschaftlich ist.

Das ganze Thema der flächendeckenden Einführung von "intelligenten Messystemen" oder "smart metern" bleibt weiterhin unklar und harrt verbindlicher Verordnungen... „Ein erfolgreicher Rollout braucht eine angepasste Regulierung und Freiheitsgrade für die Verteilnetzbetreiber“, sagte Dr. Erik Landeck, Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH. Die Verteilnetzbetreiber seien der Aufgabe gewachsen, wenn sie mit Augenmaß angegangen wird, wenn mehrere Jahre für den Rollout zur Verfügung stehen, und wenn sie die „klare Botschaft erhalten, wie sie ihr Geld wiederbekommen“, so Dr. Achim Schröder, Geschäftsführer der Westnetz GmbH. „Die heute angedachte Rollout-Dimension ist allerdings eine große Herausforderung und bedeutet eine weitere Kostenbelastung für den Kunden.“ (Quelle ZfK-Pressmeldung).

Die Netzbetreiber melden derweil, dass die Zahl der Eingriffe in die Einspeisung und teilweise auch Entnahme aus den Stromnetzen weiterhin stark ansteigt, die Netzregelung also jeden Tag immer stärker gefordert wird. Wann der schleppende Ausbau der Netze, die fehlende Anpassung des Marktmodells und die ausstehende Neufassung gesetzlicher und regulatorischer Regelungen behoben sind, kann kaum abgeschätzt werden.

Viele Unternehmen werden so lange durchhalten und abwarten müssen. Wenn sie es sich denn leisten können...

0203Die Inflation von smart

Nach einigen Jahren Anlaufschwierigkeiten schafft es das Auto „Smart“ eine Erfolgsgeschichte zu werden. Selbst in Amerikas Großstädten verkauft sich der Mini-Flitzer inzwischen recht gut, obwohl dort ein Auto traditionell nach seiner Größe beurteilt wird. Schließlich sind die USA die Erfinder voluminöser Pickups, die in Deutschland in kein Parkhaus und nicht durch jede Straße passen würden.
In der Energiewirtschaft sind die smarten Themen wegen der weiterhin andauernden rechtlichen Unsicherheit etwas aus dem Rampenlicht gerückt. Inzwischen wagt kaum noch jemand eine Prognose, wann und wie das Thema smart meter (bzw. intelligente Messysteme nach §21 EnWG) mit zugehörigem Roll-Out zur Umsetzung kommt. Auf der E-World-Messe in Essen war das Produkt „Smart Meter Gateway Administrator“ an vielen Ständen prominent platziert, es bleibt aber die Unsicherheit wie genau dieses zentrale Thema abschließend organisiert werden wird.

Eines wird zunehmend klarer:
Wirtschaftlich lassen sich die Prozesse im Roll-Out und im Regelbetrieb der neuen intelligenten Messsysteme nur in großen Stückzahlen sicherstellen. Mittlere und kleinere Netzbetreiber (unter 100.000 ZP) werden dies nur in Kooperation stemmen können. Ob smart meter allerdings jemals die vom Gesetzgeber avisierten Ziele unterstützt, darf bezweifelt werden. Es scheint auch niemand die Möglichkeiten der regulierten smart meter für neue Vertriebsprodukte nutzen zu wollen.

Das aus energiewirtschaftlicher Sicht bedeutendere Thema „smart grid“ entwickelt sich allerdings stetig weiter und wird von vielen Netzbetreibern in verschiedensten Pilotprojekten angegangen. Es gibt erste wissenschaftliche Untersuchungen, dass der konventionelle Netzausbau sogar teurer ist, als der Ausbau mit smarter Netztechnik.
Nachdem IBM den smarten Planeten („smart planet“) ausgerufen hat und andere bereits das „smart home“, die „smart city“, den „smart country“… ausgerufen haben, kontert eine Kölner Zahnarztpraxis mit „smart teeth“. Ich befürchte, dass es bald noch weitere smarte Dinge geben wird.

2201Ein Wort in aller Munde: EEG 2.0

Die planungsgemäß bereits im August in Kraft tretende EEG-Reform - inzwischen ganz modern mit EEG 2.0 betitelt - nimmt langsam Formen an. Es gibt natürlich noch keinen Entwurf für einen neuen EEG-Gesetzestext, dafür aber ein 12-seitiges Eckpunktepapier des Wirtschaftsministers Gabriel.
Viele darin skizzierte Dinge sind zu erwarten gewesen, weil diese sich so oder in ähnlicher Form auch im Koalitionsvertrag wiederfinden: Die Beaufschlagung des Eigenverbrauchs mit der EEG-Umlage, damit diese Energiemengen auch am EEG-Umlagesystem teilnehmen. Der Zwang zur Direktvermarktung (allerdings bereits ab 500 kW, später 250kW und 100kW). Neue Fördersätze für Neuanlagen ab August 2014. Die Begrenzung der Vergütung ("Deckel") beim Zubau für onshore- und offshore-Windkraft, Solarenergie und Biomasse.
Außerdem soll das EEG-Privileg für die stromintensive Industrie eingeschränkt werden, was sicherlich auch dem Druck der EU (s.u.) geschuldet ist.

Damit wird das Wirtschaftsministerium den EEG-Zuschlag für den Endkunden durchaus dämpfen können, allerdings darf man da keinen allzu großen Effekt erwarten:

Es gibt viele Einflussfaktoren, die die Wirkung der Maßnahmen aus dem EEG 2.0 beeinflussen. Wie werden die Anlagenbetreiber reagieren? Wie stark wird die EEG-Priviligierung der stromintensiven Industrie tatsächlich zurückgefahren? Wie zurückhaltend geben sich Investoren in neue EEG-geförderte Einspeiser? Auch gilt der Zwang zur Direktvermarktung nur (!) für Neuanlagen und nicht für Bestandsanlagen, was wiederum den Effekt dieser Maßnahme auf die EEG-Umlage stark mindert.

Grundsätzlich wird durch die geplanten Maßnahmen die EEG-Abwicklung bei den Netzbetreibern noch komplexer, weil neben den 4.000 "alten" Vergütungskategorien jetzt weitere neue hinzukommen, die wiederum IT-technisch und prozessual abgebildet werden müssen. Auch die Prozesse zur Direktvermarktung werden dann dahingehend erweitert, dass es Anlagen geben wird, für die ausschließlich Direktvermarktung erlaubt ist, die also nicht wechseln können.

Alles in allem wird zumindest auf Seiten der Netzbetreiber die Abwicklung an Komplexität gewinnen, was wiederum Änderungen und Erweiterungen bei IT und Prozessen und Schulungen der Mitarbeiter nach sich ziehen wird.
Die Steuerungswirkung auf den Zubau von Erzeugern auf Basis erneuerbarer Energien ist aus meiner Sicht heute schwer absehbar.


0901Energiewende und EEG treiben Blüten

Inzwischen begegnet mir die Strompreisdiskussion und die EEG-Reform bereits beim Broteinkauf im Bäckereigeschäft. Das Bäckereihandwerk hat eine Kampagne "gegen das EEG" mit deutlichen Plakaten und einer Unterschriftsaktion gestartet. Das Bild links stammt daher.

Auch trauen sich die ersten Politiker bzgl. einer EEG-Reform aus der Deckung, wobei der Vorstoß der bayerischen Wirtschaftsministerin Aigner aus machtpolitischen Gründen gleich wieder kassiert wurde.

Ihre Denkanstöße gingen allerdings in eine interessante Richtung:
Wieso sollte man in diesem Fall die hohen Anlaufkosten der EEG-Förderung nicht auf zukünftige Generationen über einen Fond verteilen?
Schließlich erzeugen die EEG-Anlagen nach der 20-jährigen Förderung quasi "umsonst", wovon die zukünftigen Generationen dann auch profitieren. Vorausgesetzt die Erzeugungsanlagen (Windräder, Biomasseverstromer, PV-Module) halten überhaupt so lange durch.

Ein anderer Aspekt zum EEG: Eine ganz simple Betrachtung zur Wirtschaftlichkeit von kleinen PV-Modulen auf Einfamilienhäusern wird hier ("why roof-top solar panels really don't make sense") angestellt (englisch). So einfach habe ich die Sache bisher gar nicht betrachtet.



1912Wünsche zum Jahreswechsel

Ich möchte mich auf diesem Wege für die Zusammenarbeit in 2013 und die Unterstützung bei meinem Start in die Selbstständigkeit bedanken.
Ich wünsche Ihnen ein paar ruhige und besinnliche Tage und einen guten Start in das Jahr 2014!
Wenn Sie mögen, hören Sie doch gerne in diese Geschichte über Menschen herein, denen "eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war."
(Dauer 3:15 Min)

Link zur Mediathek des Saarländischen Rundfunks

Es werden in der Geschichte viele aktuelle Themen der Energiewirtschaft angesprochen, die uns auch in 2014 begleiten werden:
Demand Side Management, Smart Grid, Kraftwerkseinsatzplanung, Netzregelung und Netzentwicklung...



1812Prüfverfahren der EU zur Priviligierung EEG eröffnet

Erwartungsgemäß wurde heute vom Wettbewerbskommissar der EU Joaquin Almunia das Prüfverfahren bzgl. des EEG gegen die Bundesrepublik eröffnet. In verschiedensten deutschen Medien wird schon seit Tagen von Joberverlusten und der Schließung von Industriestandorten wegen rückwirkender Nachzahlungen durch die energieintensiven Betriebe gemunkelt.

"Schwerwiegende Einwände hat die Kommission schon heute gegen die Privilegien, die das EEG energieintensiven Betrieben einräumt. Es sei zweifelhaft, dass dies mit dem Binnenmarkt vereinbar sei, heißt es in dem Schreiben aus Brüssel. Bedenken hat die Kommission darüber hinaus, weil die EEG-Umlage auch für importierten Grünstrom fällig wird, während per EEG nur inländische Grünstromerzeuger gefördert werden."
(Zitat von Fritz Vorholz, ZEITONLINE 14.12.2013)
Trotzdem rechne ich nicht mit einem rückwirkenden Eingriff und einer Nachzahlung der EEG-Umlage durch die betroffenen Betriebe, weil so ein einschneidender Eingriff in die Wirtschaft eines EU-Landes durch die Kommission doch unüblich wäre. Wahrscheinlicher ist, dass die Kriterien zur Erlangung der Priviligierung für die Zukunft (also 2015) deutlich verschärft werden, so dass nicht mehr knapp 3.000 Unternehmen davon profitieren werden. Weiterhin ist es denkbar, dass Unternehmen in Zukunft diese Priviligierung nur noch erhalten, wenn sie umfangreiche Maßnahmen zur Energieeffizienz und CO2-Reduktion nachweisen können.
Somit dürfte sich im Laufe des Jahres 2014 spätestens aber zum 01. Januar 2015 der Kreis der priviligierten Unternehmen deutlich verringern. Weiterhin ist eine Pflicht zur Verbesserung der Energieeffizienz zu erwarten. Dies ist ggf. eine Chance für entsprechende Dienstleister?

Ein Hintergrundpapier aus Oktober 2013 des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle(BAFA) zur Priviligierung gemäß EEG finden Sie hier: Link

Die Pressemitteilung der EU Kommission vom 18.12.2013 finden Sie hier: Link

2711Schlaglichter auf den Koalitionsvertrag

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist fertig und wurde heute vorgestellt. Der Bereich Energie und Energiewende nimmt einen doch erheblichen Teil ein. Ich habe einige Schlaglichter auf die Inhalte des Vertrags mit Bezug zur Energiewirtschaft geworfen. Lesen Sie bitte hier weiter.

Wenn Sie möchten, finden Sie hier den Text des Koalitionsvertrags im RTF-Format (ohne Gewähr meinerseits). So können Sie den Text in nahezu allen Textverarbeitungen einlesen und verarbeiten.

2611Höhenwindenergie als interessante Zukunftstechnologie

Die Unsicherheit und Spannung aus den offenen Energiethemen in den Koalitionsverhandlungen der zukünftigen Regierung muss man auch einmal beiseite lassen und den Blick auf technische Innovationen lenken. Die Höhenwindenergie ist so ein Thema, welches zur Zeit in den USA und Deutschland in einer frühen Erprobungsphase ist, in einigen Jahren sich aber zu einer wichtigen neuen Form der regenerativen Stromgewinnung entwickeln kann. In diesem Dokument wird die neue Technologie kurz vorgestellt. Über weblinks finden Sie interessante weitere Infomationen.
Höhenwindenergie passt auch gut in die Jahreszeit Herbst, weil man sich sehr an das Drachensteigen der Kinder erinnert fühlt.

0311EU ebnet Weg für deutsches Smart Meter Konzept

Das sogenannte Notifizierungsverfahren der EU zum Entwurf der deutschen Messsystemverordnung (früher MessZV, jetzt MsysV) ist im Oktober abgeschlossen worden.
Zitat von Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Stefan Kapferer: "Der Entwurf schafft die technische und organisatorische Basis für den Einsatz von intelligenten Messsystemen für Strom und Gas. Diese sogenannten Smart Meter zeigen nicht nur an, wie viel Strom verbraucht wird, sondern geben Auskunft über die Nutzungszeit und ermöglichen die mithilfe eines Schutzprofils geschützte, sichere Kommunikation von Energieverbräuchen. So kann der Energieeinsatz effizienter und die Verbrauchstransparenz vergrößert werden. Unser Entwurf regelt detaillierte technische Mindestanforderungen an Smart Meter und gewährleistet mit den in Bezug genommenen Schutzprofilen ein hohes Maß an Datenschutz und Datensicherheit. Darüber hinaus werden Vorgaben der Energieeffizienzrichtlinie umgesetzt, die dazu dienen, den Energieverbrauch transparenter zu machen. Wir begrüßen, dass die EU-Kommission nun den Weg für unser nationales Rechtsetzungsverfahren frei gemacht hat."
Jetzt müsste das zugehörige Verordnungspaket recht schnell umgesetzt werden, um auch hier den Handlungsrahmen für die deutsche Energiewirtschaft klar abzustecken. Bis dahin bleiben die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Smart Metern und vielen zugehörigen Themen wie Smart Grid, Anreizen zur Verbrauchsflexibilisierung im Endkundenbereich etc. offen.
Ohne diese ordnungspolitische Klarheit bleiben alle Maßnahmen zur IT-technischen Vorbereitung und zur Prozessausprägung dem Risiko ausgesetzt, dass diese sich teilweise oder gänzlich als unbrauchbar und unpassend erweisen können.

0311Neue Netzentgelte im Verteilnetz?

Organisiert von der DENA fand im September ein Dialogforum statt. Dort wurden Ansätze für eine Reform der Netztarife diskutiert:
- Einheitliche Netztarife im Verteilnetz in Gesamtdeutschland?
- Beteiligung dezentraler Einspeiser an den Netzkosten?
- Der Entsolidarisierung im Netzbereich entegegensteuern? Umstellung auf rein leistungsbezogene Netzentgelte ("Briefmarke")?
Die auf dem Dialogforum angesprochenen Themen werden recht bald in breiter Form diskutiert werden müssen, um den Entwicklungen im Energiemarkt gerade in den letzten Jahren Rechnung zu tragen. In Zusammenhang mit diesen Themen und mit dem ausgeweitetem Einbau von intelligenten Messsystemen (Smart-Meter) dürfte auch das Thema der Abschaffung des SLP-Verfahrens auf die Agenda kommen. Daran wird kein Weg vorbei führen.

0311Die Netzentwicklungspläne Strom und Gas

Für die Energiewende ist der Ausbau der Übertragungs-/Fernleitungsnetze (aber auch der Verteilnetze) ein elementarer Baustein. In zunehmenden Maße behindert die netztechnische Realität die Integration dezentraler Erzeuger in das Energiesystem. Im Bereich der Übertragsungsnetze (Strom) und Fernleitungsnetze (Gas) geht das strukturierte Verfahren zur Festlegung eines Netzentwicklungsplans (NEP) sowie die dann folgenden Umsetzungen weiter.

Hier finden Sie die Websites der Übertragungsnetzbetreiber und Fernleitungsnetzbetreiber, auf denen detailliert das Verfahren und der aktuelle Stand dokumentiert werden.
Diese Netzentwicklungspläne und die zugehörigen Konsultationsverfahren sollen eine hohe Beschleunigung in den Ausbau der Übertragungsnetze bringen, der bisher ein sehr langsamer und langfristig orientierter Prozess war: Es dauerte in der Vergangenheit gerne mal 20 bis 30 Jahre, um ein paar Kilometer Hochspannungsnetz in Betrieb zu nehmen.
Weiterhin stellt sich zunehmend heraus, dass auch auf den unteren Spannungsebenen bzw. im Verteilnetz dringender Ausbaubedarf durch die Zunahme der dezentralen Einspeisung existiert. Hierzu fehlen allerdings noch entsprechende Abstimmungswege, Vorgaben und Regelungen.

0211Informationsplattform EEG/KWK-G

Die erneuerbaren Energie, die dezentrale Einspeisung und (in geringerem Maße) die Erzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen beeinflussen das heutige Marktgeschehen in der Energiewirtschaft maßgeblich: Durch die teilweise sehr komplexe Abwicklung, durch die Beeinflussung der konventionellen Erzeugung und des Netzbetriebs aber auch durch die komplexen Kommunikations- und Geldflüsse auf verschiedensten Ebenen.

Die Übertragungsnetzbetreiber haben eine Informationsplattform geschaffen, auf der umfangreiche und detaillierte Informationen hierzu abrufbar sind. Auch werden die Geldflüsse beeindruckenden Umfangs transparent dargestellt. Die Umsetzungshilfen und Verfahrensbeschreibungen können die Anwendern im Tagesgeschäft unterstützen.
0211Das neue Marktdesign für die Energiewirtschaft kommt?

Zitat: "Nirgendwo ist der Reformstau vor der Bundestagswahl so groß geworden wie auf dem Feld der Energiepolitik. Nun, nach der Wahl, eint die Freunde der Öko-Energien und die Betreiber der konventionellen Kraftwerke eine Hoffnung: Sie wollen endlich klare Investitionsbedingungen." (Fritz Vorholz, DIE ZEIT).

Der BDEW hat als sicherlich mächtigster Verband der Energiewirtschaft seine Vorstellungen in einem umfangreichen Konzeptpapier (weiterlesen) detailliert und erhöht den Druck auf die sich bildende Bundesregierung. Der VKU aber auch größere Unternehmen der Energiewirtschaft haben eigene und auch zur BDEW-Sicht abweichende Konzeptpapiere veröffentlicht. Inzwischen hat auch AGORA Energiewende einen Vorschlag für ein EEG 2.0 veröffentlicht, welcher dann den Weg in ein neues Marktdesign ebnen soll.
Die neue Bundesregierung wird also bereits jetzt mit umfangreichen Konzeptpapieren und Marktdesigns unterschiedlichster Ausprägung von viele Seiten konfrontiert. Der Abstimmungsprozess, der dann am Ende ein neues Marktdesign für die Energiewirtschaft hervorbringen soll, wird ein langwieriger und schwieriger sein. Es ist festzuhalten, dass unabhängig von der konkreten Ausgestaltung der notwendigen Reform die Branche aber dringend Investitionssicherheit benötigt.
0211Energiewende = "Stromwende" und nur ein bisschen "Gaswende", aber keine "Wärmewende"!

Der gesetzliche und regulatorische Rahmen der Energiewirtschaft in Deutschland ist für die Stromerzeugung, -verteilung, -messung und -lieferung sehr stark ausgeprägt. Das um das Jahr 2000 ursprünglich vorherrschende Ziel der Wettbewerbsöffnung im Energiemarkt wurde durch das in den letzten Jahren zunehmend übergeordnete Ziel des Klimaschutzes bzw. der Reduktion des CO2-Ausstoßes ersetzt. Spätestens im Bereich des Messwesens, welches erst(2009) für den Wettbewerb geöffnet wurde, dann aber quasi in den Folgejahren durchreguliert wurde, wird dies deutlich: Ein wirklich begeisterndes und erfolgreiches Vertriebsangebot im Rahmen der kommenden MsysV (Messsystemverordnung) an Endkunden im Haushaltsbereich hat es nie gegeben und wird es wohl kaum geben.
Die Sparte Gas hinkt der Sparte Strom ordnungspolitisch immer noch leicht hinterher. Dort aber, wo der größte Hebel zur CO2-Reduktion anzusetzen wäre, nämlich im Wärmebereich, passiert dagegen nur sehr wenig. Für den Gesetzgeber und die Politik ist der Durchgriff auf die Unternehmen der Energiewirtschaft auch einfacher, als in das Leben vieler Bürger (Hausbesitzer) direkt einzugreifen: So ist das Beharrungsvermögen und der Unwillen zur Veränderung gerade im Bereich der Wärme immer noch sehr ausgeprägt. Der größere CO2-Effekt im Wärmebereich wird durch diese Grafik (bdew) sehr gut veranschaulicht.
Eine volkswirtschaftlich effiziente Energiewende kann aber nur durch einen übergreifenden oder ganzheitlichen Ansatz zum Ziel führen: Also Primärnergieeinsatz (Strom, Gas, Öl...) mit der Energienutzung (Licht, Wärme, Kraft...) zusammen denken. Wir müssen darüber hinwegkommen, dass wir den Effekt einer EU-weiten Einführung von Energiesparlampen bzw. eines Verbots von Glühbirnen als Meilenstein zur CO2-Reduktion feiern. Tatsächlich verändert sich dabei nur der sehr kleine 1,3%ige Anteil der Energienutzung im Haushalt (s. Grafik).


0111Start als selbstständiger Energiewirtschaftler

Mit dem heutigen Tag startet meine Tätigkeit als selbstständiger Energiewirtschaftler. Ich bietet Ihnen umfangreiche Kompetenzen und langjährige Erfahrungen in den regulierten und regulierungsnahen Prozessen über die gesamte Wertschöpfungskette der deutschen Energiewirtschaft, als Führungskraft in unterschiedlichsten Konstellationen und als Projektmanager.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit!